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Denali – das große Abenteuer in der Wildnis (Teil 2)

Denali – das große Abenteuer in der Wildnis (Teil 2)

Tag 3: die Besteigung des Pass

Irgendwie hatten wir nach dem vorherigen Tag trotzdem einen erholsamen Schlaf bekommen und wachten zu gutem Wetter auf. Gerade schafften es die ersten Sonnenstrahlen über den Gipfel hinter unserem Zelt und wir genossen zuerst ein Weilchen die grandiose Kulisse, in der wir uns befanden.

Aufwachen zu schönem Wetter. Was für eine Wohltat.

Einer der höchsten Gipfel, die wir von unserem Camp aus erspähten könnte schon der Denali sein, sicher waren wir uns aber nicht, da wir nicht wirklich wussten wie der Berg aus dieser Richtung genau aussah. 

Ist das schon eine der Spitzen des Denali, die da aus den Wolken herausragt?

Anschließend kochten wir Frühstück und packten die Bärenkanister um, da wir heute nur einen mit uns nehmen würden und den anderen hier bei unserem Base Camp lassen konnten. Wir bereiteten unser Zelt noch für unsere Abwesenheit vor und zogen danach los. Immer noch folgten wir dem Glacier Creek, der kurz darauf einen Knick in eines der Seitentäler des Muldrow Glaciers beschrieb.

Los geht’s, auf zum Anderson Pass!

Dieses Tal wollten wir noch bis zum Anderson Pass hinaufwandern. Der Anderson Pass ist eine der wenigen Routen über die man die Alaska Range überqueren konnte und auf dessen Rückseite sollten uns spektakuläre Ausblicke erwarten.

Blick hinauf zum Pass.

Doch auch der Blick zurück auf den Muldrow Glacier und die riesigen Berge zu dessen Flanken war jederzeit beeindruckend.

Einfach mal die weite dieses Landes genießen.

Zum ersten Mal waren wir ohne Regenhose und den ganzen anderen Krempel angezogen und genossen die Leichtfüßigkeit, die ein leichter Rucksack uns verlieh. 

Kurz nachdem wir in das Tal abgebogen waren erreichten wir einen kleinen Gletschersee. Die Sonne schien warm auf uns herab und wir hatten beide den selben Gedanken. Ab ins Wasser, den Schweiß der letzten Tage loswerden. Gesagt, getan, wenig später waren wir beide für ein paar Sekunden im sau kalten Wasser. Eine angenehme Abkühlung und vor allem Wäsche!

Wie viele Sekunden habe ich es wohl darin ausgehalten?

Unser Weg führte anschließend über die alten Reste eines Gletschers, welcher Unmengen an Schutt und Geröll hinterlassen hatte. Außerdem überquerten wir mit zunehmender Höhe immer öfter auch Schneefelder.

Ab durch den Schnee.

Dann kam irgendwann der Punkt an dem wir uns aufteilten. Mira hatte ein leicht ungutes Gefühl beim Betrachten des Terrains, welches vor uns lag. Meine Einschätzung lag dagegen zu 100 Prozent darauf, dass die Route sicher sei und ich wollte diese auf jeden Fall zumindest erkunden. Wie ich vermutet hatte verlief die Route weit ab vom lawinengefährdeten Terrain und so stieg ich weiter hinauf zum Pass. Oben erwischte mich erstmal ein fieser Schneeschauer. Immerhin musste ich dafür nicht die Regenhose anziehen, da die eisigen Kristalle einfach von meiner Wanderhose abprallten.

Das ging schnell, kurz zuvor wanderte ich noch in der Sonne und jetzt schneite es.

Zunächst war die Stimmung oben natürlich ernüchternd, da ich kaum etwas sah, fünf Minuten später allerdings waren alle Wolken schon wieder verschwunden und ich hatte einen abartig geilen Blick in die Alaska Range hinein.

Blick auf die Südseite des Anderson Pass.
Die eindrucksvolle Kulisse der Alaska Range.
Die Überbleibsel des Schneeschauers, die nun davon zogen.

Ich hätte mir definitiv in den Arsch gebissen, hätte ich diesen letzten Aufstieg nicht noch gewagt. Trotzdem hatte ich auch großen Respekt vor der Entscheidung, dass Mira ihrem unguten Bauchgefühl vertraute. Ein wenig über eine Stunde dauerte mein Trip auf den Pass, dann trafen wir uns wieder. Aufgeregt erzählte Mira mir dann, dass ein Vielfraß in genau entgegengesetzter Richtung an mir vorbei über den Pass gewandert sei. Mensch, den hatte ich gar nicht bemerkt. Nach einem kurzen Snack machten wir uns schlussendlich wieder auf den weg zurück zu unserem Camp, wo uns ein paar stunden strahlender Sonnenschein begrüßten. Ach wie herrlich!

Dann zog nochmal ein Schauer durch, den wir im Zelt abwarteten. Sobald dieser vorbei war, kochten wir unser Abendessen, putzten Zähne und bereiteten alles zum schlafen gehen vor. Danach genossen wir noch eine weitere Stunde die schier endlose Sonnenuntergangsstimmung. Anschließend gingen wir zufrieden ins Bett. 

Sonnenuntergang im Denali National Park.
Eindrucksvolles Abendlicht nahe unseres Camps.
Ein weiterer eindrucksvoller Gletscher im Abendlicht.
Und dann war es Zeit fürs Bett!

 

Tag 4: das Dach Nordamerikas

An diesem Tag stand alles erstmal auf Abschied von unserem kleinen paradiesischen Camp. Wir bauten das Zelt ab, frühstückten und brachen auf.

Bei bestem Wetter präsentierte sich der Muldrow Glacier mitsamt Bergkulisse noch einmal zum Abschied.

Dies war der erste Tag, an dem wir wirklich strahlenden Sonnenschein erlebten und kein Regen uns auf unserem Marsch störte. Unsere Route führte uns zurück am Glacier Creek entlang. Auch an diesem Tag blieb uns das Erlebnis Wildtiere zu sehen nicht verwehrt. Hier und da sahen wir Karibus, eine Herde Bergziegen rannte aufgeregt vor uns davon und während einem Snack am Nachmittag sahen wir erneut zwei Grizzlies in großer Entfernung über einen Hang schlendern. Vielleicht waren das ja sogar die selben, die uns beim Essen zwei Tage zuvor überrascht hatten. Wer weiß…

Karibus beim Grasen.
Aufgeregte Bergziegen.
Und noch die zwei Bären in der Distanz.

Außerdem konnten wir uns an diesem Tag nicht an den mächtigen Bergen der Alaska Range sattsehen. So eindrucksvoll erhoben sich diese gen Himmel. All diese Ausblicke hatten wir beim Hinweg noch nicht zu sehen bekommen.

Blick vom Glacier Creek auf die Berge.

Während unserem Marsch fanden wir auch tatsächlich noch das verloren gegangene Bärenspray wieder. Für mich der Moment des Tages war aber definitiv während unseres Nachmittagssnacks. Wir genossen die Sonne, den Ausblick auf die zwei Grizzlybären und wuschen uns dort wieder ein bisschen am Fluss.

Entspannte Pause am Glacier Creek.

Nur aus Neugierde bestieg ich eine Böschung hinter uns und staunte oben nicht schlecht. Zum aller ersten Mal konnte ich mit absoluter Sicherheit den Denali sehen, das Dach Nordamerikas, 6191 Meter hoch. So lange hatte ich auf diesen Moment warten müssen. Zwei Trips nach Alaska hatte es gebraucht! Was für ein wunderschöner Berg! Und was für ein Glück, an diesem Ort sein zu können!

Ein erster Blick auf den höchsten Berg Nordamerikas!

Den gesamten Rest des Weges dieser Etappe erschien der Berg immer wieder in unserem Blickfeld und auch als wir unser Camp aufschlugen konnten wir ihn noch sehen. Dann zog langsam wieder eine Wolkenfront herein. Wir aßen noch zu Abend und gingen dann zeitnah ins Bett.

Unser Platz zum schlafen während der vierten Nacht.

 

Tag 5: das Wetterchaos

Tag fünf hieß für uns zunächst einmal eines. Wir würden kurz zurück in die Zivilisation kommen, um Vorräte aufzufüllen und nördlich der Straße weiter durch die Wildnis zu streifen. Doch beginnen wir am Anfang.

Nach einem langen Regenschauer in der Nacht wachten wir beide nahezu zeitgleich auf, da unser Zelt von der Morgensonne gebraten wurde. Das ist wirklich super schwer einen geeigneten Zeltplatz zu finden, der bis etwas länger in den Morgen noch im Schatten liegt. Die Tage waren hier 20 Stunden lang, daher konnte einen die Sonne fast immer irgendwie erwischen. Nun ja, wir kamen aus dem Zelt und sahen zunächst erstmal den nächsten Sturm heranziehen. Es sah allerdings erst so aus als würde er eher vorbeiziehen. Der Denali war zudem auch noch sichtbar, konnte also nicht zu schlimm werden. Wir packten unsere Sachen, frühstückten, ließen aber vorsichtshalber das Außenzelt noch stehen. Und kaum hatten wir fertig gegessen kam der Regen.

Abwarten des Regenschauers im Zelt.

Er hielt uns über eine Stunde fest, bis ein geeignetes Wetterfenster uns die Möglichkeit gab weiter zu ziehen. Doch wir mussten uns erneut beeilen. Dunkle Wolken zogen erneut auf uns zu und wir hatten eine riesige Schotterebene und eine Fluss zu überqueren.

Jetzt aber fix, bevor es wieder anfing zu schütten.

Wir rannten nahezu, nach der Flussüberquerung bemühten wir uns nicht mal die Schuhe wieder zu binden. Einfach nur weg hier, nicht dass das ein Gewitter war, das da daher kam. Unsere Eile zahlte sich aus. Sicher auf der anderen Seite angekommen zog dieser Schauer auch vorbei und wir konnten die letzten Meter zum Visitor Center trockenen Fußes zurücklegen. Dort gabs dann erstmal hochverdient Mittagessen am Picknicktisch. Zudem konnten wir das Zelt trocknen, uns etwas frisch machen und die Vorräte aufstocken. Und während wir da so herumwerkelten kam der mächtige Berg wieder aus den Wolken hervor. Sofort standen Dutzende Touristen um uns und machten Fotos. Was für ein Kontrast zu den letzten Tagen. 

Blick af den Denali vom Eielson Visitor Center.

Da das Wetter für die nächsten Tage wieder nicht so gut angesagt war, wir aber zwei weitere Tage geplant hatten, überlegten wir kurz, ob es nicht eine Option wäre hier abzubrechen und mit dem Bus hinauszufahren. Doch bisher wurden wir meist positiv überrascht, als wir den Schritt trotzdem wagten. Also stapften wir erneut los, noch circa zwei Meilen an der Straße entlang, bevor wir wieder in die Wildnis abbogen. Diese Gegend war deutlich anders als das Terrain zuvor. Über Wiesen und Sträucher und durch Sümpfe mussten wir uns fortbewegen. Die Sonne schien noch, doch es war bereits der nächste Schauer auf dem Weg.

Mal etwas anderes Terrain, in dem wir uns hier fortbewegten.

Also beschlossen wir aus Sicherheitsgründen eher im Tal am Moose Creek unser Zelt aufzubauen und nicht erhöht auf einem Hügel, wo der Blick wohl besser gewesen wäre. Und prompt als das Zelt stand schüttete es wieder los.

Unser kleines Zelt am Moose Creek.

Diesmal sogar mit Hagel. Das war echt langsam anstrengend. Nach einem weiteren Schauer gleich im Anschluss aßen wir noch zu Abend und verkrochen uns dann bald in unser Zelt. An diesem Abend beschlossen wir, dass wir des Wanderns und in der Wildnis leben müde waren und am nächsten Tag zurück zum Visitor Center und den Bussen gehen würden und den Park damit einen Tag früher verlassen. Die letzten Tage waren so ereignisreich und spektakulär, da schien uns nun ein geeigneter Punk zu sein, um das Abenteuer abzuschließen. 

Tag 6: die Ausreise

Wie schon angedeutet bauten wir am nächsten Morgen unser Camp ab, um zurück zum Visitor Center und den Bus-Shuttles zu gelangen. Währenddessen querte noch einmal ein Grizzly den Hang hinter unserem Zelt, rannte aber dann ziemlich schnell davon, als er uns bemerkt hatte.

Ein kleiner Besuch am morgen sorgte für schnelles wach werden.

Nun waren es also vermutlich schon acht Braunbären, die wir auf unserem Trip in die Wildnis gesehen hatten. Wir machten uns diesmal ohne großes Frühstück nur mit zwei Müsliriegeln gestärkt auf den Weg, damit wir der nächsten Wetterfront entgehen konnten. Und so schafften wir es am späten Vormittag halbwegs trocken zurück in die Zivilisation.

Der Marsch zurück zum Visitor Center.

Kurz darauf nahmen wir einen Bus, der uns wieder zum vier Stunden entfernten Eingang und unserem Van brachte. Die Fahrt war überwiegend verregnet und wir unterhielten uns mit zwei anderen Deutschen, die ebenfalls ein paar Nächte im Backcountry verbracht hatten. Kurz vor dem Eingang begegneten wir nochmal einer kleinen Elchfamilie, dann hatten wir es geschafft.

Eine Elchfamilie verabschiedete uns noch aus dem Park.

Wir waren wieder zurück! Ab unter die Dusche, die war jetzt absolut notwendig und wohl auch verdient.

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