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Denali – das große Abenteuer in der Wildnis (Teil 1)

Denali – das große Abenteuer in der Wildnis (Teil 1)

Anchorage, die Kenai Halbinsel und generell die Küste am Pazifik waren für uns jetzt abgeschlossen. Von nun an ging unser Trip ins Landesinnere. Wir waren auf dem Weg zum Denali Nationalpark. Mit diesem hatte ich noch die ein oder andere Rechnung offen!

Unter anderem wollte ich unbedingt einmal den Denali selbst sehen, da er bei meinem ersten Besuch stets von Wolken verdeckt war. Und zudem war diesmal das Ziel deutlich mehr Zeit im Park zu verbringen. Also los gehts:

Tag 1: Dauerregen

Um 6:00 Uhr ging der Wecker, der Regen prasselte auf unseren Van. Etwas besorgt packen wir unsere Rucksäcke fertig und warten auf den Bus, der uns in den Park bringen wird. Hoffentlich würden wir nicht gleich am Anfang komplett absaufen. Ein Sturm mit Regen und potentiell Schnee in höheren Lagen zog gerade über den Park und wäre wohl auch noch ein Weilchen dort. Durch diesen fuhren wir viereinhalb Stunden mit dem Bus bis zum Eielson Visitor Center, welches im Herzen des Parks liegt. Ehrlich gesagt war die Definition von Sturm hier einfach nur, dass es Niederschlag gab. Schnee, Regen, auf jeden Fall war es nicht wirklich windig. Und auch der Regen war eher ein konstantes Nieseln. Gut, damit konnten wir arbeiten. Am Visitor Center angekommen verstauten wir einige Vorräte, die wir später auf unserem Trip gebrauchen würden. Für den ersten Teil starteten wir mit Vorräten für fünf Tage und vier Nächte. So lange würden wir der Zivilisation erst einmal komplett entfliehen. 

Also los! Ab in die Wildnis des Denali Nationalparks, ab unter das Dach Nordamerikas. 

Den ersten Kilometer konnten wir noch einen Trail nutzen, der vom Visitor Center aus hinab zum Fluss führte, dort aber endete. Für uns hieß das gleich mal Schuhe aus und ab durchs kalte Wasser. Ging aber doch ganz flott und schon waren wir wieder unterwegs.

Flussüberquerung in Alaska, kalte Füße garantiert!

Von meinem letzten Abenteuer hier im Park hatte ich so einiges gelernt und wusste nun, dass es absolut gar keinen Spaß macht sich durch Gebüsch zu schlagen. Daher planten wir unseren Weg diesmal ausschließlich entlang von Flussbetten und im Alpinen, wo arktische Tundra dominierte. Also folgten wir dem Fluss erstmal eine Weile, mussten dann allerdings erneut einen weiteren, größeren Strom passieren. Dafür hatten wir ein extra paar Schuhe dabei, mit dem wir im kalten Gletscherwasser immer noch Halt fanden. So überquerten wir also auch diesen Fluss. Weiter ging es entlang des Flussbetts, bis sich eine Möglichkeit anbahnte, eine Abkürzung über einen kleinen Hügel zu nehmen. Dahinter fanden wir uns aber genau da wieder, wo wir nicht hinwollten. In den Büschen… Wir kamen nicht voran, also ging es wieder zurück auf das Flussbett und mussten dort nochmal eine Bachüberquerung machen. Mich nervten diese Besonders, da natürlich genau als wir einen langen Wandertrip starteten der Mantel eines meiner Schnürsenkel gerissen war und ich nun provisorisch, mit viel Zeitaufwand die Schuhe binden musste. Da war das ganze aus, an, aus, an wirklich etwas nervig.

Zum kotzen, wenn man mit halb gerissenen Schnürsenkeln unterwegs ist.

Aber das gehörte in Alaska eben dazu, da gab es keine Trails und keine Brücken in dieser unberührten Natur. 

Letzen Endes befanden wir uns dann am Ufer des Glacier Creeks, dem wir von nun an weit flussaufwärts folgen würden. Und dort fanden wir oftmals sogar einen leicht festgetretenen Pfad, der das fortbewegen deutlich erleichterte. Trotzdem mussten wir ein weiteres Mal den Fluss überqueren, bis wir am frühen Abend einen geeigneten Platz zum Campen fanden.

Suche nach einem geeigneten Platz zum Übernachten am Glacier Creek.

Es hatte zwar fast den ganzen Tag durchgeregnet, trotzdem waren wir nicht so schlimm durchgeweicht, wie wir das befürchtet hatten. Also bauten wir fix unser Zelt auf und machten die Betten fertig.

Unser kleines Heim, leider etwas im Regen stehend…

Dann brachten wir die Bärensicheren Kanister weg und kochten 100 Meter von unserem Camp Abendessen. Dann noch schnell Zähne putzen und danach wieder die Bärenkanister erneut 100 Meter in die andere Richtung lagern. Alles dem Wind abgewandt, damit die Tiere nicht auf die Idee kommen würden, dass es in einem Zelt essen geben könnte. Und dann ging es auch schon ins Zelt und in den warmen Schlafsack.

Raus aus dem Regen, rein ins Zelt. Die Landschaft war trotz des schlechten Wetters spektakulär.

Wir hatten einen anstrengenden Tag hinter uns und die folgenden werden auch eine Herausforderung sein.

Tag 2:  Unter wilden Tieren

Wir schliefen erstmal aus, dachten wir zumindest. Es war gerade mal acht Uhr morgens, als wir das Zelt verließen. Wir waren einfach am Tag zuvor so früh im Bett gewesen. Es regnete mal wieder und um unser Frühstück zu essen versteckten wir uns unter einer Plane, um nicht gleich zu nass zu werden.

Essen und Zähne putzen unter der Plane.

Glücklicherweise ließ der Regen dann etwas nach und wir konnten das Zelt etwas einfacher abbauen. Danach ging es wieder los. Rucksack auf und Abmarsch. 

Wir folgten weiterhin dem Glacier Creek, der sich hier und da durch enge Schneisen, dann wieder über weite Schotterflächen seinen Weg bahnte. Zwei mal querten wir den Fluss, stellten dann aber heraus, das wir beim Rückweg besser auf einer Seite bleiben können. Mittagessen nahmen wir erneut unter der Plane zu uns, da wieder ein Regenschauer durchzog. Nach dem Essen bemerkten wir, dass wir eines unserer Bärensprays an einer der Flussüberquerungen verloren haben mussten. Da wir noch ein zweites dabei hatten, beschlossen wir auf dem Rückweg Ausschau danach zu halten. Weiter ging der Marsch am Fluss entlang, bis wir an einer erneuten Engstelle beschlossen stattdessen auf die neben uns liegende Moräne des Muldrow Glacier zu steigen. Dort konnten wir und auf arktischer Tundra fortbewegen, was auch nicht wirklich anstrengend war. Der Regen ließ wieder nach und wenig später besserte sich fast schlagartig das Wetter. Zum ersten Mal hatten wir einen guten Blick auf den massiven Gletscher, der irgendwo weit entfernt an den Hängen des Denali anfing. Und dann kam eine ereignisreiche Stunde!

Als erstes erspähten wir eine Gruppe Karibus vor uns auf der weitläufigen Moräne. Sie bewegten sich schnell von dort hinab in das Flussbett und schienen vor etwas wegzurennen.

Eine Gruppe Karibus rannte hecktisch vor etwas davon.

Und dann kam dieses Etwas. Nicht wie erst vermutet ein Bär, sondern ein Vielfraß. Wow, die Viecher kriegt man ultra selten zu Gesicht. Als er uns bemerkt dreht er um und und verschwindet.

Sehr selten sind diese Tiere zu sehen, doch wir hatten tatsächlich einen Vielfraß vor die Linse bekommen!

Wir gehen daraufhin weiter. Kurz darauf überqueren wir die nächste Kuppe und erspähen vor uns in der Ferne drei Grizzlybären, eine Mutter mit zwei Kleinen. Okay, das war jetzt schon aufregend. Wir mussten unsere Route also wieder anpassen. Dies taten wir, indem wir zurück hinab in das Flussbett stiegen und dort einen sicheren Bogen um die Bärenfamilie gehen konnten. 

Eine kleine Braunbärfamilie versperrte uns den Weg.

Hier und da sahen wir zudem noch Gruppen von Dall-Schafen, Bergziegen, Murmeltiere und Erdhörnchen.

Ein kleines Murmeltier beobachtete uns neugierig.

Eine gute Stunde später beschlossen wir, dass es Zeit zum Schlafplatz suchen war. Wir suchten uns einen kleinen Hügel mit tollem Ausblick auf den Gletscher aus, der auch alle Kriterien eines bärensicheren Schlafplatzes erfüllte.

Wir hatten einen wirklich tollen Platz am Gletscher zum schlafen gefunden.

Danach gingen wir in eine Senke um Abendessen zu kochen. Währenddessen kamen auf einmal zwei Karibus, eine Mutter mit Kind keine zehn Meter an uns vorbeigestürmt. Uns beachteten sie gar nicht. Hmm, wovor liefen die wohl weg. Etwas aufmerksamer aßen wir schnell die Nudeln auf und wollten gerade das Geschirr Waschen, da passierte es. Zwei Grizzlys näherten sich uns von der Moräne herab. Wie im Safety-Briefing vor dem Trip in die Wildnis gelernt, packten wir so schnell wie möglich alles Essen in die Bärenkanister und stellten uns aufrecht winkend hin. Zudem redeten wir auf die Bären ein uns wedelten unsere Plane, um uns größer wirken zu lassen.

Die zwei Grizzlybären dachten doch tatsächlich, sie müssten uns beim Essen besuchen.

Der Jüngere der beiden, vermutlich ein halb ausgewachsener Bär kam uns wirklich nahe, und wir standen schon mit dem Bärenspray bereit, als dieser sich auf die Hinterpfoten stellte und schnüffelte. Der größere der beiden, vermutlich die Mutter blieb mehr auf Distanz. Daraufhin zog sich auch der kleinere wieder etwas zurück. Wir hielten weiterhin die Stellung und verpackten auch den Rest unserer Vorräte. Dann bewegten wir uns vorsichtig etwas zurück. Die Bären unterdessen schlugen einen anderen Weg ein und zogen einen großen Bogen um uns herum. Dumm nur, dass dieser an unserem Zelt endete. Der kleine der beiden lief etwas neugierig drum herum, die Mutter lief aber uninteressiert weiter und so zog auch der Kleine mit. Wir waren also nur in deren Weg gewesen, hatten sie aber nicht direkt angelockt. Wenig später verschwanden die beiden hinter den nächsten Hügeln uns unser Adrenalinlevel senkte sich langsam wieder. Da erneut ein Schauer durchzog gingen wir zunächst zurück ins Zelt und überlegten, ob wir nochmal umziehen sollten. Da das Terrain aber kaum sinnvolle Alternativen bot blieben wir, müde von den Ereignissen des Tages dort und schliefen kurz darauf ein. Wir verließen uns auf die Aussage der Ranger, dass Bären vor Zelten zurückweichen und man darin sehr sicher sei, sollte man kein Essen darin aufbewahren.

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