Der Adlerweg – Durch die Lechtaler Alpen zum Arlberg

Der Adlerweg – Durch die Lechtaler Alpen zum Arlberg

Und damit wären wir auch schon beim dritten und letzten Bericht über den Adlerweg angelangt. Dieses mal gehts von Lermoos an der Zugspitze quer durch die Lechtaler Alpen bis St. Christoph am Arlberg. Dies entspricht den letzten acht Etappen des Adlerwegs. 

Diesmal machte ich mich wieder alleine auf den Weg, fuhr also am Sonntag Mittag mit Fernbus und Bahn bis auf die österreichische Seite der Zugspitze und nahm an diesem Nachmittag noch den Anstieg zum Grubigstein und der an dessen hang liegenden Wolfratshauser Hütte in Angriff. Denn von der Bergstation des Grubigstein startete am nächsten Tag die nächste Etappe des Adlerwegs. Erneut hatte ich zwischen Innsbruck und diesem Neustart ein paar Etappen ausgelassen, die aber meines Erachtens sowieso mehr eine Verbindung zwischen Karwendel und Lechtaler Alpen waren und weniger eine must-do-Strecke. 

Die Nacht verbrachte ich also noch dort und startete wie gewohnt früh am Morgen meine Tagesetappe. Zunächst lief alles wie geplant und ich kam zügig voran, so zügig, dass ich neben einem Frühstück mit Blick auf den Blindsee auch noch eine halbe Stunde mein Buch zur Hand nahm und etwas las. Dann machte ich mich erstmal weiter auf den Weg zum Fernpass und von dort weiter zum Schloss Fernsteinsee. Dort fand ich dann den Abzweig auf den nächsten Berg, an dem auch mein Tagesziel, die Loreahütte lag. Und ab jetzt wurde es abenteuerlich. Zunächst stellte ich heraus, dass ich es mal wieder geschafft hatte die Tourenbeschreibung falsch zu lesen. Demnach wusste ich nicht, dass dies eine Selbstversorgerhütte war. Aus Sicht meines Proviants kein problem, da hatte ich genug für acht Tage dabei, allerdings ließ sich die Hütte nur mit Schlüssel öffnen und, wer hätte es gedacht, den hatte ich natürlich nicht. Zunächst etwas unentschlossen schrieb ich erstmal eine Mail and die Sektion der Hütte und fragte, ob den heute jemand dort übernachten würde, dem ich mich anschließen könnte, jedoch erwartete ich keine sofortige Antwort. Es war noch früh am Tag und ich nutze die Zeit zunächst um kurz zu recherchieren, welche anderen Möglichkeiten ich für eine Übernachtung finden würde. Und siehe da, ca vier Stunden Fußmarsch weiter auf dem Adlerweg war eine privat bewirtschaftete Alm mit Schlaflager vorzufinden, welche laut internet bis Mitte September bewirtschaftet ist. Also dann, es war ja noch früh am Tag: nächstes Ziel, Tarrentonalm.

 

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Ohne weitere Zweifel stieg ich also rasch hinauf zur Loreahütte und passierte diese um weiter hinauf zur Loreascharte zu steigen. Eine kräfteraubende Stunde später schweifte mein Blick zum erstem mal über die Gipfel der Lechtaler Alpen. So etwas atemberaubendes hatte ich nicht erwartet, umso mehr freute ich mich jetzt auf die nächsten Tage. Doch zunächst musste ich ja noch weiter zur Alm, also hieß es wieder auf der anderen Seite absteigen und ins nächste Tal marschieren. Zugegeben, das war am Ende des Tages wirklich eine große Etappe geworden und dementsprechend müde erreichte ich um circa 18 Uhr mein neues Tagesziel.

 

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Und eine weitere Überraschung wartete auf mich. Schon von weitem sah die Alm nicht wirklich geschäftig aus, jedoch konnte ich früh einen jungen Mann ausmachen, der neben seinem Auto mit seinem Hund in einem Sonnenstuhl saß und ein Bier aus der Flasche trank. Gut, einfach mal fragen was hier so los sei. Auf diese Frage antwortete der junge Kerl zu meinem blanken Entsetzen, dass die Wirte die Alm schon geschlossen und ihre Saison beendet hatten. Davon stand leider nirgends etwas im Internet. Für mich bedeutete dies, entweder noch weitere drei Stunden bis zur nächsten Alm zu marschieren, oder eben dort irgendwo zu bleiben. Der Mann, David hieß er, beruhigte mich zunächst und holte er erstmal auch ein Bier, den Pause müsste ich jetzt sowieso erstmal machen. Außerdem könne ich im Notfall bei ihm auf der Alm übernachten. Wie sich nämlich herausstellet war David während der Sommermonate als Hirte tätig, der auf seiner Alm 150 Ochsen hielt. Diese Alm sei mit seinem Auto schnell erreicht, versicherte er mir. Allerdings hatte er erst noch etwas zu erledigen, meinte er. Der eigentliche Grund, weshalb er gerade im Tal sei, war Feuerholz zu beschaffen, was er, nachdem ich einen Blick in seinen Kofferraum warf, allem Anschein nach schon erledigt hatte. Doch während er das Holz holte, fielen ihm ein paar ausgebüchste Schweine auf, die er dann mit Hilfe seines Hirtenhundes Paulo in ein nachfliegendes Gehege getrieben hatte. Und nun wartete er auf die Wirte der Alm, die die Schweine nach dieser Fluchtaktion noch an diesem Abend ins Tal trieben wollten. Nun ja, ohne diesen hinterhältigen Ausbruch der Schweine wäre ich nun alleine der gestanden, also erstmal Glück gehabt. Nachdem die Wirte da waren und wir die Schweine in den Anhänger getrieben hatten war war, die Alm war wirklich schon zu und ich konnte dort nicht übernachten. Also nahm ich dankend das Angebot von David an, mit auf seine Alm zu fahren. Diese lag wunderschön in den Westhang eines Kars gebettet inmitten der Kuhweide und war nichtmal direkt mit dem Auto erreichbar. Die letzten 200 Meter mussten wir zu Fuß hinaufsteigen, für seine Versorgung hatte David noch eine Materialseilbahn dort hinauf. Nachdem dieser finale Endspurt gemeistert war, staunte ich nicht schlecht über die gemütliche Hütte, in der David dort lebte. Größer als gedacht, sogar mit Schlaflager! Denn, so erzählte David, früher hatten hier mehrere Hirten gelebt. Mittlerweile gab es aus einem Solarpanel Strom für Licht, Radio und Mobiltelefon und ein Bad mit Klo und Dusche, allerdings wurde diese noch mit Warmwasser aus dem Kamin betrieben. Generell würde nur auf dem Holzofen gekocht, und da es schon spät geworden war und wir beide Hunger hatten beschloss David eine feine Brotzeit zusammenzustellen. Speck, Wurst und Käse, dazu Brot. Alles von Bauern aus der Umgebung und nicht zu wenig von alledem. Das Beste, was ich mir an diesem Abend vorstellen konnte. Wie schön Davids Alm gelegen ist wurde mir erst im Laufe des Abends klar, zuerst, als die im Rücken untergehende Sonne die umliegenden Gipfel prachtvoll verfärbte und dann, später, als David mich noch einmal heraus bat, um den mit unzähligen Sternen gespickten Firmament zu beobachten. Die Zeit an diesem Abend verging wie im Flug, denn ich hatte unzählige Fragen an David. Die Entscheidung zu so einem Leben beeindruckte mich sehr und bestätigte mal wieder, dass manchmal weniger eben mehr ist. Kaum einen so glücklich und zufriedenen Menschen habe ich seit geraumer Zeit getroffen und versprach noch am selben Abend, mal wieder bei ihm auf der Alm vorbeizuschauen, oder während dem Rest des Jahres, wenn David wieder in der Nähe von Innsbruck seinem Job als Elektrotechniker nachging. Am nächsten Morgen nutze ich die Tatsache, alleine im Schlaflager zu pennen um etwas extra schlaf mitzunehmen und wir frühstückten erst gegen neun Uhr auf der von der Sonne gefluteten Terrasse. Danach hieß es wieder Abschied nehmen, denn auch heute hatte ich eine gute Strecke vor mir. Also stapfte ich wieder über die Kuhweide zurück zur Schotterstraße, mein Rucksack durfte an diesem Morgen mit der Lastenbahn hinunterfahren. Unten angekommen hievte ich den Rucksack wieder auf den Rücken, blickte noch einmal hinauf zur Alm und wanderte dann weiter.

 

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Nach ein paar tollen Passagen an steilen Felswänden entlang und ein paar Sichtungen von Murmeltieren erreichte ich die Anhalter Hütte, die eigentlich die Übernachtungsgelegenheit nach Etappe zwei in den Lechtalern gewesen wäre. Nachdem ich jedoch am Tag zuvor schon so viel weiter gekommen war lief ich auch an diesem weiter. Und erreichte somit am frühen Abend die Hanauer Hütte. Dort gabs dann eine Portion feiner Käsespätzle und ich lernte zudem Johannes und Max kennen, mit denen ich mich spontan für die nächste Etappe am nächsten Tag verabredete.  

 

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Diese starteten wir wieder etwas früher, denn auch an diesem Tag war wieder strahlender Sonnenschein vorhergesagt und es würde heiß werden. Schnell ließen wir das Tal, in welchem die Hanauer Hütte lag, hinter uns und stiegen hinab zum wunderschönen Steinsee. Nach kurzem Aufenthalt ging weiter, vorbei an der Steinseealm und dann wieder stetig einen Höhenweg entlang, von einer Scharte zur nächsten. Dabei konnte man im Süden immer wieder die Gipfel der Stubaier und Ötztaler Alpen erblicken. Immer wieder fanden wir uns auf Geröllhalden und Seilversicherten Stellen wieder, was sich in der prallen Sonne echt als anstrengend herausstellte. Dennoch erreichten wir am Nachmittag unser Tagesziel, das Württemberger Haus, welches wunderschön ein gepfercht zwischen an den Hängen unterhalb eines kleinen Bergsees lag. Ein Bierchen zur Belohnung auf der Terrasse und später noch eine deftige Gulaschsuppe, dann ging auch schon wieder ins Bett. Denn am nächsten Tag drohte des Gelingen meines Trips erneut durch schlechtes Wetter in Gefahr zu geraten.

 

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Dementsprechend unruhig schlief ich in der Nacht, wobei auch die etwas zu kurzen Betten meinen Schlaf erschwerten. Trotzdem war ich um 6:00 Uhr wieder auf den Beinen und war Motiviert and diesem Tag vor dem Wetterwechsel weit zu kommen. Also verabschiedete ich mich noch schnell von Johannes und Max und war wieder alleine unterwegs. Die Sonne stand noch tief, als ich den ersten Grat erreichte. Oben angekommen, verschlug es mir schier die Sprache. So einen schönen Anblick der Lechtaler Alpen im Morgenlicht hatte ich nicht erwartet. Motiviert stapfte ich weiter über die Kargen Gipfel und Grate des Höhenwegs, bis ich wenig später auf den berühmten E5 Fernwanderweg stieß, der nun doch etwas stärker frequentiert war. Zum Glück musste ich diesem nur wenige Kilometer bis zur Memminger Hütte folgen, wobei auch diese Strecke vorbei an prachtvollen Bergseen durch großartige Natur führten. Die Memminger Hütte war erneut das eigentliche Ziel der Tagesetappe, aber ihr könnt euch bestimmt bereits denken, dass ich noch motiviert war. Es war nämlich gerade einmal 10:00 Uhr vormittags. Wer hatte denn diese Etappen geplant? Die müssen ja echt rumgebummelt sein.

 

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Da das Wetter soweit stabil wirkte, machte ich mich auf den Weg, um noch eine weitere Etappe an diesem Tag zu schaffen. Und erneut wurde es abenteuerlich! Zuerst musste ich von der Memminger Hütte wieder ins Tal hinabsteigen, um daraufhin einen langen, steilen Anstieg durch das nächste Joch zu überwinden. Und da passierte es dann, der Regen kam erneut. Beim ersten Schauer hatte ich Glück und konnte mich unter einem Felsvorsprung unterstellen, der zweite erwischte mich dann mit voller Wucht beim technischen Aufstieg durch das Langkar zur Grießlscharte auf über 2600 Metern Höhe. Eingepackt in sämtliche Regenkleidung kämpfte ich mich am Stahlseil hoch, riss mir dabei sogar eine Hand am Seil auf, erreichte dann jedoch gegen Ende des Regenschauers die Scharte und wurde mit einem märchenhaften Regenbogen belohnt. Außerdem erblickte ich von dort zum ersten mal die mächtigen Gletscher am Hohen Riffler, den Flirscher Ferner und den Pettneuer Ferner. Der Marsch von der Scharte bis zur Ansbacher Hütte war von dort aus weniger anstrengend und schnell bewältigt. Wieder ein Tag rum, und zwei Etappen abgearbeitet. Ich kam wirklich schnell voran!

 

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Nicht jedoch am nächsten Tag, was aber so geplant war. Das Wetter war regnerisch und ich nahm mir aufgrund der Anstrengungen des Vortags nur eine kleine Etappe vor. Lediglich 4,5 Stunden marschierte ich an diesem Tag und genoss die sagenhaft schönen Anblicke des Vorder- und Hintersees. Und natürlich erwischte mich wieder der obligatorische Starkregenschauer, der mich kurz demotivierte, dann jedoch genau so schnell wieder weiterzog, wie er auftauchte. An diesem Tag erreichte ich das Kaiserjochhaus schon nach dem Mittagessen und freute mich zunächst über eine Familie, die ich dort traf und mit der ich ins Gespräch kam. Sie waren genau so wie ich begeisterte Skifahrer und kannten Tatsächlich Revelstoke, da sie mit Hagen Alpin Tours schon dort gewesen sind. Was für ein Zufall, für Hagen Alpin Tours werde ich ja diesen Winter in Kanada unterwegs sein! Nach diesem von Begeisterung geprägten Gespräch hatte ich dann endlich mal wieder den Nachmittag Zeit für mein Buch. In der Stube der Hütte machte ich es mir neben dem Ofen gemütlich und las bis zum Abendessen. Verdiente Regeneration, würde ich sagen. Eine Kräftigung für die letzte Etappe. 

 

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Für diese legte ich noch einmal eine Frühstart hin, obwohl der Morgen wieder Grau in Grau und das Wetter trist waren. Trotzdem musste ich diese Etappe jetzt noch bewältigen, anders wäre meine Ego sehr geschädigt, befand ich mich doch schon so nah am Ziel des Fernwanderweges. Lange blieb das Wetter so, eine Zeit wurde es sogar noch schlimmer und ich musste wieder meine volle Montur anlegen. Auch hatte ich keinen blassen Schimmer, wie meine Umgebung eigentlich so aussah, denn weiter als 50 Meter konnte ich selten etwas durch die dicken Nebelschwaden erkennen. Ein letztes Mal ging dann jochmal technisch an einer Felswand entlang, bis ich endlich das Skigebiet von St. Anton erreichte. Und siehe da, der Wolken verschwanden plötzlich und ich konnte kaum schnell genug aus meiner nassen Regenkleidung heraus, bevor ich wieder schwitze. Alles in Allem ein gelungener Abschlussmarsch für diesen Tollen Wanderweg, wenn auch der Weg durch das Skigebiet wohl der mit Abstand hässlichste Abschnitt des gesamten Adlerwegs war.

 

Das große Finale! Aus den Wolken erschien das Skigeibiet von St. Anton. Ich hatte es geschafft!

 

Um 12:00 Uhr Mittag erreichte ich dann schlussendlich St. Christoph am Arlberg, das offizielle Ende das Adlerweges. Geschafft! Was für ein Gefühl! Und dennoch musste ich jetzt noch nach München kommen. Ähm ja… Den Bus hatte ich gerade verpasst, und der nächste nach St. Anton kam erst in zwei Stunden. Also versuchte ich mich per Anhalter fortzubewegen und hatte gleich mal doppeltes Glück. Nach wenigen Minuten hielt ein junges Pärchen an und nahm mich mit ins Tal. Besser noch, sie nahmen mich sogar gleich mit nach Innsbruck, denn da wollten sie noch das Finale der Boulder-WM ansehen. Für mich optimal, denn von Innsbruck gelangte ich günstig per Fernbus wieder nach München. Lief doch alles mal wieder besser als geplant, und … schneller. Nur sechs Tage hatte ich für die acht Etappen gebraucht, das lässt sich gut sehen. Zeit für neue Herausforderungen!

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