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Der Adlerweg – Kampf über die Gipfel im Karwendelgebirge

Der Adlerweg – Kampf über die Gipfel im Karwendelgebirge

So, nächster Anlauf. Für den Neustart meiner Mission habe ich etwas umgeplant, da ich gepäckmäßig während den ersten zwei Etappen wirklich überladen war. Zelt, Schlafsack und Isomatte warf ich raus, dafür kam nur noch ein Hüttenschlafsack mit und der Plan war festgelegt, dass ich den gesamten Rest des Weges auf Hütten übernachten würde. Somit war der Rucksack doch schonmal etwas leichter, obwohl meine Zeltausrüstung insgesamt auch nur drei Kilogramm wiegt. Die kamen dann leider fast schon wieder in Form der Klettersteigausrüstung mit in den Rucksack, da Kenny und ich auf unserer Tour zwei Tolle Klettersteige gehen wollten. Wie auch immer, weniger Volumen hatte der Rucksack auf jeden Fall. Außerdem hatte ich eine neue, größere Regenhülle gekauft, falls ich nochmal in Regen geraten sollte. Soviel also zu den Anpassungen.

Am Vormittag gings wieder los in die Berge, meine Eltern fuhren uns zum Ausgangspunkt, da dieser öffentlich schwer erreichbar war und auch die zwei mal wieder etwas Zeit in den Bergen verbringen wollten. So kam es, dass wir vom Startpunkt der Karwendeletappen in Pertisau eine Stunde lang zu viert in das wunderschöne Falzthurntal wanderten, bis meine Eltern dann an einer Hütte ankerten und sich einen Kaiserschmarren gönnten. Klingt gut, war aber doch etwas zu früh für Kenny und mich, also machten wir uns auf zur ersten Hütte, auf der wir Übernachten würden, der Lamsenjochhütte. Nach langem Marsch und einem finalen steilen Anstieg kamen wir dort am Nachmittag an und richteten uns ein. Kurz darauf wollten wir die restlichen Stunden des Tages nutzen um den Klettersteig auf die Lamsenspitze zu durchklettern, welchen wir allerdings beim Aufstieg aufgrund etwas schlechter Beschilderung gleich mal verpassten. Vielleicht spielte auch der Nebel eine Rolle, wieso wir ihn zuerst nicht fanden. Oben auf der Spitze befanden wir uns so ziemlich im Whiteout und konnten eigentlich gar nichts sehen, doch der Aufstieg war trotzdem schön gewesen. Außerdem erspähten wir unter der Wolkendecke kurz einen riesigen vorbeisegelnden Adler. Wow! Da wir unsere Kochausrüstung mit auf den Gipfel geschleppt hatten, gab jetzt erstmal Abendessen. Couscous mit Tüten-Pfeffersoße. Gute Stärkung für den Abstieg! Der ging jetzt aber, so wie eigentlich für den Aufstieg geplant, über den Klettersteig. Und der hatte es tatsächlich nochmal in sich. Durch einen Tunnel hindurch kletterten wir auf die andere Seite der Wand und dann diese herab. Als wir die Hütte wieder erreichten, wurde es schon dunkel. Hat aber echt Spaß gemacht, dieser erste Tag. 

 

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Deutlich anstrengender wurde der zweite. Da die nächste Hütte wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war, mussten heute zwei Etappen zurückgelegt werden. Das Wetter war and diesem tag eher Trist, selten kam mal ein Gipfel um uns herum wirklich zum Vorschein. Und so trotteten wir von Berg zu Tal, wieder auf den Berg, wieder ins Tal und wieder auf den Berg. Mannoman, echt anstrengend. Erst beim letzten Anstieg besserte sich das Wetter langsam. Meinen Wow-Effekt an diesem Tag hatte ich, als wir im letzten Tal ein riesiges Kiesbett überquerten. Inmitten dieser mächtigen Kulisse hatte es ein kleiner Baum irgendwie geschafft, den Kräften der Erosion standzuhalten, und stand mutterseelenallein in dem Kiesbett. Foto-Alarm, was für ein geiles Motiv! Und jetzt ab rauf zur Hütte, da solls nen richtig guten Kaiserschmarren geben! Gab es dann aber nicht, wie wir feststellten. Nur Mittags, was für ein Betrug! Immerhin klarte der Himmel am Abend auf und es ergab sich ein toller Sonnenuntergang. Zudem lernten wir Anton, Bernd, Simon, Merrit und Kira kennen, die auch die Nacht auf der Hütte verbrachten und am nächsten morgen genau wie wir aus die Birkkarspitze steigen wollten. 

 

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Gesagt getan, am nächsten Morgen startete die Karawane auf den fast 900 Meter hohen Anstieg zum höchsten Gipfel im Karwendelgebirge. 2749 Meter ist die Birkkarspitze hoch und als wir um 11 Uhr dort oben standen, war die Begeisterung über den Anblick groß. Kaum ein Wölkchen am Himmel und um uns herum endlose Gipfel. Zu diesem Anblick gab dann erstmal Mittagessen und kurz darauf trennten sich unsere Wege wieder. Nur Simon würde weiter mit uns bis zur nächsten Hütte wandern. Der Abstieg stellte sich dann als schier endlos und anstrengend heraus. 1400 Höhenmeter mussten wir bis ins Isartal herabsteigen.

 

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Unten angekommen waren wir fast schon entsetzt, dass es von dort aus noch einmal zwei Stunden bergauf bis zur Alm ging. Ich war wirklich am Ende, noch dazu hatte ich ein sehr schmerzhaftes ziehen in der Schulter, weshalb ich schon besorgt wurde, ob ich überhaupt am nächsten Tag weitergehen konnte. Nach einer Weile Stop and Go trennten wir uns von Simon, da wir diesen nicht aufhalten wollten. Die Nerven lagen blank, doch nach einigen weiteren Pausen und langsamem vorkämpfen schafften wir es doch ans Ziel. Auf der Hallerangeralm gab es dann zur Belohnung den lang ersehnten Kaiserschmarren und einen grandiosen Sonnenuntergang, der mich alle Schmerzen vergessen ließ. 

 

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Danach ging früh ins Bett, denn wir mussten uns ja noch für den letzten Tag erholen. Dieser begann erneut  mit bestem Wetter und die Schulter war wieder erstaunlich gut. Es stellte sich heraus, dass ich während dem langen Abstieg am Vortag das Tragegestell des Rucksacks einfach nicht richtig eingestellt hatte. Also stapften wir ein letztes Mal die Berge hoch und runter, bis wir endlich auf der Nordkette über Innsbruck standen. Und zur Belohnung des Tages gönnten wir uns sogar die Bahnfahrt hinab ins Tal. Eine absolute Ausnahme! In Innsbruck tranken wir mit Simon zum Abschluss noch gemeinsam einen Kaffee, bevor Kenny und ich mit dem Fernbus wieder nach München fuhren. Ich hatte mich nämlich ernst dagegen entschieden, sofort weiterzuwandern, sondern wollte angesichts der Schulter präventiv nochmal zwei Tage Pause einlegen. Danach würde ich mit neuer Kraft die Lechtaler Alpen in Angriff nehmen.

 

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2 Kommentare

  1. Gerhard Schnitzer
    Donnerstag, der 20. September 2018 / 16:29

    Hallo Moritz, super schöne Eindrücke die du hier vermittelst, sieht teilweise auch sehr winterlich aus, auf jeden Fall wunderschön, weiterhin viel Spaß auf deiner Tour wünscht dir Gerhard aus Wien

    • Montag, der 24. September 2018 / 16:43

      Naja winterlich wars zum Glück noch nicht so ganz, sonst hätten wir ja noch mehr mit uns schleppen müssen. Aber das Wetter in den Bergen hält immer Überraschungen bereit 🙂

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