Heliskiing mit Selkirk Tangiers Heliskiing – Skifahren auf Wolke Sieben

Heliskiing mit Selkirk Tangiers Heliskiing – Skifahren auf Wolke Sieben

XXX-(XXX)-XXXX. Stellt euch dies als eine kanadische Telefonnummer vor, die euch um kurz vor sieben am Morgen auf eurem Handy anruft. „Ring, Ring!“ Unter der Nummer erscheint auf dem Display der von mir eingespeicherte Name: STHS Dispatch. Es war soweit. Es gab einen freien Platz in einer der Mehrtagesgruppen und ich durfte heute, am 5. Februar 2018, mit zum Helikopterskiing gehen.

Es war nicht der erste Tag, ich hatte vor circa drei Wochen schon einmal einen Tag gehabt, der war aber abgesehen vom ersten Mal überhaupt mit einem Helikopter zu fliegen eher unspektakulär. Denn als Mitarbeiter der Firma Selkirk Tangiers Heliskiing steht mir beim Begleiten einer Gruppe eine gewisse Verantwortung zu. Generell halte ich mich dabei am Ende der Gruppe auf, einerseits, um den zahlenden Kunden die frischen Powderlines zu lassen und andererseits, um die Vollständigkeit der Gruppe zu überwachen und Gästen zu Helfen, sollten sie stecken bleiben oder anderweitig in Schwierigkeiten geraten. Und an diesem ersten Tag waren die Bedingungen alles andere als optimal, weshalb ich mehr Zeit mit Helfen und überwachen als mit elegantem Powderskiing verbrachte. Aber sei es drum, die Saison war ja noch lang und es würden sich weitere Möglichkeiten ergeben.

Und hier war nun eine. Ich packte zügig meine Sachen, frühstückte noch schnell etwas und fuhr hinauf zum Hillcrest Hotel, meinem Arbeitsplatz, in dem Selkirk Tangiers Heliskiing beheimatet ist. Die Aufregung wuchs mit jeder Minute die ich fuhr, denn seit zwei Wochen scheinte zum ersten Mal wieder die Sonne morgens in das Tal und auf die eingeschneiten Gipfel des Mount Begbie und Mount MacPhearson. Das gibts doch nicht, erwische ich etwa auch noch Sonne oder wie?

Im Hotel schnell noch den Transciever, den Rucksack mit der Lawinenausrüstung, ein paar Ski und natürlich meine super modische Mitarbeiterjacke abgeholt und los gings. Auf zum Heliskiing!

Zuerst stand noch eine 20 minütige Fahrt zu unserem heutigen Startplatz an, auf der ich mich etwas mit Kate, die die Gruppe heute führte unterhielt. Den Rest der Gruppe kannte ich schon ein wenig, denn ich hatte sie gerade erst zwei Tage zuvor im Hotel während meiner Arbeit begrüßt und kennengelernt. Fünf Norweger und drei Gäste aus den USA, außerdem noch Noah, der auch für Selkirk Tangiers im Dispatch arbeitet. Am Startplatz im Alberts Canyon angekommen zeichneten sich erneut einige blaue Flecken zwischen den Wolken ab, die nur gutes bedeuteten. Und dann ging es endlich los.

Unter dem donnern der Rotorblätter hoben wir ab und flogen zu unserem ersten Run im Selkirk River Valley, nahe dem Ort, an welchem Selkirk Tangiers Heliskiing vor 40 Jahren seine ersten Flüge startete. Wie schon erwähnt waren Noah und ich als Mitarbeiter die letzten der Gruppe, was an diesem Tag jedoch absolut kein Problem war, denn es gab wirklich Powder für jedermann! Es war einfach phänomenal!

Es passte alles! Die Gruppe war grandios, der Pulverschnee mindestens Knietief und hier und da wärmte die Sonne die klare Luft um uns auf. Jeder hatte Spaß! Zu jeder Sekunde!

Als ich zum ersten Mal draußen war, hatten wir aufgrund der inkonsistenz der Gruppenmitglieder und der schweren Bedingungen nur vier Abfahrten geschafft. Heute dagegen fuhren wir allein vor dem Mittagessen schon vier Runs. Allesamt durch federweichen Schnee, der uns in den Kurven bis hinauf ins Gesicht spritzte. Aufgrund der immer noch anhaltenden Lawinengefahr im Alpinen Terrain befanden wir uns überwiegend unterhalb der Baumgrenze, doch das Terrain von Selkirk Tangiers bot uns einfach unglaublich gute Waldabfahrten.

Nach den vier Runs trafen sich die drei Gruppen, die heute von unserem Helikopter gleichzeitig bedient wurden zum Mittagessen. Hier ein bisschen plaudern, da ein paar freundliche Worte gewechselt und ach, da sind ja die fünf Deutschen aus Cece’s Gruppe, die auch aus München kommen. Die freute es natürlich besonders, einen deutschen Mitarbeiter mit in der Wildnis zu haben.

Nachdem jeder sich mit einer Suppe, Sandwiches und etwas Gebäck gestärkt hatte gings weiter. Da wartete ja noch viel Powder auf uns! Um genau zu sein nochmal vier Runs, die allesamt einfach nur mit einem Wort beschrieben werden konnten: Perfekt. Jeder drehte nach dem Mittagessen nochmal so richtig auf und genoss die mittlerweile noch öfters durchscheinende Sonne, bevor letztendlich um drei Uhr Nachmittags der Heli uns zurück zur Base brachte.

Von diesem Tag an hatte ich hundert, nein,  tausend Mal mehr Verständnis dafür, wieso man so viel Geld fürs Helikopterskiing ausgibt. Dieses Gefühl, nachdem der Helikopter einen abgesetzt hat und man auf einmal alleine in der Wildnis durch den Pulverschnee gleitet ist etwas absolut einzigartiges. Wie ein Traum. Besser konnte es einfach nicht werden….

… dachte ich an diesem Abend. Doch es kam noch besser.

Am nächsten Morgen war ich wieder früh wach, denn ich stand wieder auf der Staff-Liste. Meine Hoffnungen, gleich nochmal einen Anruf zu bekommen waren minimal, es wäre einfach zu schön.

„Ring, Ring!“ XXX-(XXX)-XXXX. Da war sie wieder! STHS Dispatch rufet erneut an. Und dieses mal wurde ich Von Cece für die Gruppe mit den fünf deutschen angefordert. Wie geil ist das denn?

Selbe Prozedur wie am Vortag. Sachen Packen, Ausrüstung abholen und los gings. Erneut riss der Himmel stellenweise auf. Eigentlich war ein Schneesturm für heute angekündigt, dieser ließ aber zum Glück auf sich warten. Wieder steigen wir in den Helikopter, der uns schwungvoll entlang der Bergwälder in Richtung der in der Morgensonne goldgelb scheinenden Gipfel beförderte. Was war da denn los, immer mehr verzogen sich die Wolken und wir flogen immer weiter hoch in die alpine Stufe. Ich klebte regelrecht am Fenster und machte Fotos und Videos, sonst würde mir das hier keiner Glauben. Wir waren im Paradies! Solch eine atemberaubende Schönheit des kanadischen Winters hatte ich noch nie zuvor gesehen. Paradies konnte man wortwörtlich sagen, denn die ersten drei Abfahrten des Tages fuhren wir in nächster Nähe zum Paradise Glacier. Szenen wie aus dem Film, wie aus einer anderen Welt spielten sich ab. Keiner konnte wirklich fassen, dass wir gerade so ein Glück mit dem Wetter hatten. Es wirkte fast schon etwas surreal.

Drei Runs konnten wir in dieser atemberaubenden Kulisse fahren, dann zwangen uns hereinziehende Wolken wieder etwas tiefer. Es gab also wieder tolle Abfahrten durch die Bäume. Nach einem weiteren Run gab es wieder Mittagessen, erneut die Möglichkeit sich mit den fünf Deutschen zu unterhalten, jedoch auch mit den zwei US-Amerikanern, die die Gruppe komplettierten. Selbst der langsam einsetzende Schneefall verdarb uns nicht die Laune.

Nach dem Mittagessen, welches heute etwas früher stattfand, schafften wir bis zum Ende des Tages weitere sechs Runs, überwiegend wieder über der Baumgrenze, da der Schneefall erneut aufhörte und die Sicht gut war. Somit erreichten wir an diesem Tag letztendlich fast 7500 Höhenmeter, die wir abgefahren waren. Zum Vergleich: am Vortag waren es „nur“ 4800. Vor allem die Abfahrten in der alpinen Stufe hatten heute ordentlich Höhenmeter auf unser Konto gebucht.

Erschöpft aber Glücklich erreichten wir am Abend wieder das Hotel. Das war dann wohl die perfekte Gelegenheit noch in bairischer Manier ein Bier mit den Münchenern zu trinken und diesen noch einen erfolgreichen Rest ihres Heliskiingabenteurs zu wünschen. An dieser Stelle vielen Dank für die Einladung auf das Bier und das zukommen lassen der Bilder.

Für mich geht das Leben erstmal normal weiter. Etwas mehr Arbeit als im Vormonat, eine Menge Skifahren im Resort und hoffentlich bald mal wieder ein Tag Heliskiing. So lässt es sich leben.

Ich war in dieser Woche am Freitag dann schon wieder Heliskiing, von diesem Tag finden sich also auch ein Paar Bilder in der Diaschau. Viel Spaß beim Ansehen!

 

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