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Schneeschuhwandern im Riding Mountain Nationalpark

Schneeschuhwandern im Riding Mountain Nationalpark

Es ist soweit, ich habe mal wieder etwas zu berichten. Nach einer langen Durststrecke, in der ich viel Zeit mit Arbeiten, Kochen, Lesen, mich langweilen und auf besseres Wetter warten verbracht habe, ist es mir letztens endlich mal wieder gelungen was in der Natur auf die Beine zu stellen. Nicht dass die Arbeit hier nicht interessant wäre oder es mir hier schlecht ging, aber der Umstieg von 24/7 in der Natur zu sein auf kaum noch draußen zu sein war schon etwas zu viel. Dementsprechend aufgeregt war ich auf der Fahrt zum 40 Kilometer entfernten Eingang des Riding Mountain National Parks, in dem ich heute den ganzen Tag unterwegs sein würde.

So ganz war mir am Anfang noch nicht klar, was für eine Landschaft mich erwarten würde, lediglich viel Wald und viele wilde Tiere zeichneten den Park aus. Um so überraschter war ich dann, als die Landschaft zunehmend hügeliger wurde. Was für eine tolle Abwechslung zum flachen Farmland. Im Park angekommen stellte ich mein Auto am Trailhead ab, warf mich in warme Klamotten und schnallte meine Schneeschuhe fest.

Gut gerüstet für den kanadischen Winter. Ist zwar nicht im Park, aber ein Foto, wie ich dick eingepackt bin, sollte trotzdem hier rein.

Ein klarer, sonniger Tag mit moderaten Temperaturen, nur ein paar Grad unter Null, erwartete mich. Ein genaues Ziel hatte ich mir nicht gesetzt, zudem war die Auswahl der Trails an diesem Zugang zum Park sowieso ziemlich begrenzt. Also startete ich auf dem Trail, der sich nach 300 Metern aufteilte. Ich beschloss den Weg zum Tillson Lake einzuschlagen, der an ein paar Seen und einem Bach vorbei führen würde. Bis zum Tillson Lake waren es acht Kilometer (16 mit dem Rückweg), die mir angesichts des Schnees, der Uhrzeit (es war bereits zehn Uhr morgens, um halb fünf würde die Sonne wieder untergehen) und der Tatsache, dass ich in eineinhalb Monaten ziemlich aus der Form gekommen sein musste eher unrealistisch erschienen. Ich stapfte also einfach mal los und setzte mir das seichte Tal durch das der Bach fließen würde als Ziel. Ein paar Menschen schienen den Trail seit dem letzten Schneefall circa eine Woche zuvor schon gegangen zu sein, denn meine Spuren waren nicht die einzigen auf dem Trail. Zudem war eine Vielzahl von Pfoten-, Huf- und anderen Tierabdrücken zu sehen. Aber keine Tiere soweit. Ich stapfte also weiter und weiter und war häufig überrascht wie steil es auf und ab ging. Außerdem freute ich mich riesig über den mich umgebenden Nadelwald, denn wo ich wohnte und arbeitete gab es so gut wie keine Nadelbäume. Nach einer Weile bot sich mir der erste Ausblick von einer erhöhten Stelle.

Kaum zu glauben, unberührte Natur, sowiet man blicken konnte. Das hatte ich schon lang nicht mehr.

Dann, kurz darauf endeten die anderen Fußspuren. Ich war also nun als erster auf dem eingeschneiten Trail unterwegs.

Nur noch ich und die Natur, keiner war hier vor mir unterwegs.

Wieder etwas später musste ich den ersten umgefallenen Baum umrunden, der den schweren Sturm vor eineinhalb Wochen nicht überlebt hatte. Ein gutes Stück ging es noch so weiter, auf, ab, durch den Wald. Kein Tier, kein Mucks, nur das knirschen des Schnees, der unter meinen Füßen zusammengedrückt wurde. Dann ging es endlich wieder etwas länger bergab und ich erreichte schließlich das Tal, welches ich als Ziel hatte. eine breite Schneise zog sich vor mir durch den Wald, sanfte Hügel auf beiden Seiten aufragend.

Das hatte ich schonmal geschafft. Ich hatte mich bis zum Tillson Creek vergearbeitet, der irgendwo unter dem Schnee verlief.

Hier und da konnte ich wieder Spuren von Tieren entdecken, doch trotz des weiten Blickes über das Tal blieben die Tiere selbst versteckt. vorsichtig bahnte ich mir hier und da einen Weg auf die Ebene, achtete aber gut darauf, nicht irgendwo im Schnee einzubrechen.

Die Spuren waren trügerisch. Ich konnte jederzeit im Schnee einbrechen.

Da der Trail ein gutes Stück an dem Tillson Creek entlang führte, beschloss ich noch weiter zu gehen.

Wieso nicht noch ein bisschen weiter durch die Märchenlandschaft stapfen?

Und als der Trail den Bach wieder verließ, ging ich erneut weiter. Ich würde es doch bis zum Tillson Lake schaffen. Erneut ging es durch sanfte Hügel, zwischen denen sich zugeschneite Feuchtgebiete befanden.

Im Sommer tummelt sich in diesem Feuchtgebiet bestimmt eine Vielzahl von Tieren.

Und ein weiteres Mal versperrte mir ein Baum den Weg, diesmal deutlich schwerer zu umgehen.

Hier ging es eindeutig nicht weiter. Stattdessen musste ich auf dem Weg um den Baum durch eines der Feuchtgebiete stapfen.

Und trotzdem lief ich weiter. Alleine durch den Schnee. Um viertel vor eins erreichte ich dann schlussendlich den Tillson Lake, an dessen Ufer sich ein Backcountry Campingplatz befand, an dem ich Picknicktische, Feuerstellen und ein Outhouse vorfand.

Ankunft am Tillson Lake.

Zufrieden befreite ich einen der Tische von trockenen Schnee und packte meine Brotzeit aus. Gute Hausmannskost: Knäckebrot mit Frischkäse, eine Wildwurst, die wir am vorherigen Wochenende auf der Farm as einem von meinem Kollegen geschossenen Reh hergestellt hatten, ein Apfel und Tee. Und absolute Stille um mich herum. Sehr faszinierend.

Picknick der etwas anderen Art.

Ohne die Bewegung wurde mir allerdings schnell kühl und zudem musste ich mich bald auf den Rückweg begeben, um rechtzeitig zum Auto zu gelangen. Also stapfte ich den ganzen Weg wieder zurück, umging erneut die Baumstämme und erreichte, früher als erwartet wieder mein Auto. Abgesehen von ein paar Vögeln und einem Eichhörnchen hatte ich kein einziges Tier im Park gesehen, was mich leicht frustrierte.

Da hätte der Biber doch auch mal für ein Foto rausschauen können. Wobei, ich hätte mir das bei den Temperaturen auch zwei Mal überlegt.

Allerdings war ich zu erschöpft um mich wirklich aufzuregen. Und alles in allem war es dennoch ein wunderschöner Tag. Sogar etwas Farbe hatte ich im Gesicht bekommen. Blieb also nur noch der Weg nach Hause, auf dem ich mir tolle Musik anmachte und noch das ein oder andere Mal anhielt, um die einzigartige Farmlandschaft in Fotos festzuhalten.

Immer wieder passierte ich diese Zeugen der einstigen Besiedelung und landwirtschaftlichen Erschließung der Prärie.

Dann ab unter die Dusche, schnell noch die eingefrorene Kürbissuppe aufwärmen bevor ich es mir mit meinem Buch in meinem Zimmer gemütlich machte und den Tag zufrieden ausklingen ließ.

Und zum Abschluss noch ein toller Getreidespeicher im Abendlicht.
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