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Yosemite – der perfekte Wind

Yosemite – der perfekte Wind

Der nächste Stopp auf meiner Reise war der weltberühmte Yosemite Nationalpark. Eigentlich hatte ich vor gehabt, dort mal wieder eine Nacht mit dem Rucksack in der Wildnis zu campen, allerdings waren die Genehmigungen so beliebt und so aufwendig zu bekommen, dass es den Stress nicht wirklich wert war. Also musste eine schnelle Planänderung her. Im Visitor Center erkundigte ich mich nach einer Halbtageswanderung, die von der nördlich des berühmten Valleys durch den Park führenden Straße abging. Ins Valley selbst wollte ich erst am nächsten Tag. Im Visitor Center empfahl man mir einen Hike auf den North Dome, von dem aus ich einen Blick in das Valley werfen konnte. Hörte sich sehr geil an. Also fuhr ich zum Trailhead, wurde aber von Kilometer zu Kilometer beunruhigter.

Ein leichter gräulicher Dunst ist am Horizont schon erkennbar. Schnell wurde der Rauch deutlich dichter.

Der Rauch nahm mit Nähe zum Yosemite Valley stark zu, am Parkplatz konnte ich mal wieder kaum etwas sehen. Außer mir überlegten einige andere, ob es sich überhaupt lohnt, die Wanderung zu starten. Meine Stimmung war am Tiefpunkt. Würde mir der Rauch jetzt wirklich den Yosemite Nationalpark versauen? Is doch alles Mist. Aber es half ja nichts, ich hatte auch nichts besseres zu tun, also wanderte ich los.

Los geht’s, ein bisschen was sieht man immer.

Nach circa der Hälfte des Weges kam ich am einzigen natürlichen Steinbogen des Yosemite Nationalparks vorbei. Schön, hab ich wenigstens etwas gesehen.

Der einzige natürliche Torbogen im Yosemite Nationalpark.

Doch von dort oben erkannte ich sie dann doch schon. Die Silhouette des berühmten Half Domes. Jahre lang war sie mein standard Bildschirmhintergrund meines Apple Computers, doch jetzt war ich ganz nah dran.

Irgendwie ließ der Rauch das ganze fast magisch erscheinen. Der berühmte Half Dome im Yosemite Park.

Vielleicht konnte ich ja vom North Dome aus etwas durch den Rauch erkennen. Allein das Gefühl, in dieser einzigartigen Umgebung unterwegs zu sein beflügelte mich wieder. Ich hatte dummerweise etwas zu wenig Wasser mitgenommen und war an den kleinen Bächen am Anfang des Trails schon vorbei, deshalb hoffte ich nochmal eine Quelle oder so zu finden. Ach da ist zum Glück eine! Schnell nochmal Wasser filtern und weiter gehts.

Eine Quelle in der sonst so trockenen Umgebung. Willkomener Trinkwasserspender.

Komische Wanderung, ging fast durchgehend bergab. Lag aber daran, dass die Straße erhöht hinter dem Valley entlang ging. Wenig später erreichte ich dann den North Dome. Näher kam ich an die große Felswand des Half Domes nicht mehr heran. Hoffentlich verzog sich der Rauch ein bisschen. Vom Tal selbst war so gut wie nichts zu sehen, so stark legte sich der Rauch in die Senke.

Der Rauch war wirklich sehr nervig. Das hier sollte ein toller Blick in das Yoesemite Valley sein.

Hilft ja nichts, einfach mal abwarten. Ich legte mich also erstmal in den Schatten und genoss es, im Yosemite Park zu sein. Und als meinte es der Wettergott gut mit mir, änderte sich tatsächlich langsam die Windrichtung. Ich konnte es nicht fassen. Besser und besser wurde der riesige Half Dome sichtbar und schließlich bekam ich sogar einigermaßen anständige Fotos hin. Sau geil. Jetzt hatte ich zumindest diese eine Attraktion ganz toll erlebt.

Ein leichter Rotstich durch das verfärbte Sonnenlicht blieb übrig, aber sonst war das doch ein ziemlich geiler Ausblick, oder?

Nachdem ich zurück gewandert war, fuhr ich zur nächsten Picknick Area und wusch mich im Yosemite Creek ab. Danach las ich noch ein Kapitel, kochte Abendessen und fuhr als letztes aus dem Park hinaus um dort zu übernachten. Ich hatte ja noch einen weiteren Tag im Park geplant. Dieser begann für mich um sechs Uhr morgens. Ich fuhr also wieder in den Park und bog in das Yosemite Valley ab. Eigentlich wollte ich den Glacier Point oberhalb des Valleys besuchen, da meine Eltern damals dort oben waren. Doch die Straße war aufgrund der Waldbrände gesperrt. Also beschloss ich den Hike zu gehen, den jeder im Yosemite Nationalpark ging. Zu den Vernal und Nevada Falls. Um sieben war ich mit Frühstück und Rucksack packen fertig und machte mich auf den Weg. Nach einer Stunde Treppen steigen stand ich unterhalb der wunderschönen Vernal Falls.

Bisher hatte ich nicht wirklich viele Wasserfälle gesehen, die so schön symmetrisch hinabstürzten.

Kurz genießen, weiter gehts. Keine dreißig Minuten später erreichte ich die Nevada Falls.

Und die nächsten berühmten Wasserfälle. Die Nevda Falls, für viele das Ziel ihrer Wanderung.

Und kurz darauf stand ich dann auch oberhalb dieser. Neun Uhr, das kanns jetzt doch nicht gewesen sein oder? Irgendwie ließ mich die Vorstellung nicht los, zum Glacier Point hoch zu wandern. Direkt von den Nevada Falls führte ein Trail dorthin. Wieso eigentlich nicht? Aufgrund der Straßensperrung wird da oben bestimmt gar nicht so viel los sein. Durch die Wanderungen der letzten Tage war ich wieder richtig gut in Form gekommen und genoss es, im zügigen Marsch den Berg hinauf zu wandern. Die kühle Morgenluft beflügelte mich zusätzlich und schon bald war der Glacier Point ziemlich nah. Der Weg dort hoch hätte kein schönerer sein können. Erst zeigte sich das Yosemite Valley im klaren Morgenlicht.

Blick vom Panorama Point in das Yosemite Valley. Da unten startete ich am Morgen.

Daraufhin das Little Yosemite Valley und die darunter liegenden Vernal und Nevada Falls, über die ich zuvor hinauf gewandert war.

Absoluter Wahnsinn, von hier oben sahen die Wassefälle gar nicht mehr so groß aus.

Und wo war eigentlich der Rauch hin? Und noch dazu kein Wölkchen am Himmel! Mann, hatte ich ein Glück, dass der Wind heute mal in die andere Richtung wehte. Auf dem Weg füllte ich immer wieder an den Bächen, die ich überquerte, mein Wasser auf. Langsam brannte die Sonne echt runter. Aber es war nicht mehr weit. Um 11:30 Uhr war ich dann oben. Es war tatsächlich nicht viel los, das Visitor Center und alle anderen Services hatten geschlossen, nur ein paar andere Wanderer waren hier. Unglaublich. Zu Beginn hatte ich noch Angst gehabt, im Park überrannt zu werden. Doch kommen wir jetzt dazu, was den Glacier Point so besonders macht. Na der Ausblick natürlich. Die Szenerie, wie sie auf dem Flyer des Parks aufgedruckt war, zeigte sich haargenau so vor mir. Das ist wohl der mit Abstand umwerfendste Ausblick, den ich hier in Amerika bisher hatte. Ich weis, das sage ich ständig, aber das wird mit Sicherheit später das Titelbild meiner Amerikareise.

Ich vermute mal, dass ihr dieses Bild am Ende meiner Reise nochmal als Titelbild sehen werdet. Das Gefühl absoluter Freiheit!

Für den Abstieg wählte ich einen anderen, kürzeren Trail, der mich zurück zur Hauptstraße führen würde. Mit dem Shuttle komme ich dann zurück zum Auto. Und auch der Abstieg war nochmal ein wunderschöner Panorama Trail. Zum einen konnte ich die steile Felswand des El Capitan sehen und zum anderen die Yosemite Falls, wie sie in des Tal hinabstürzten.

Zuletzt noch die berühmte Felswand des El Capitan bestaunen, und das wars, jetzt hatte ich wirklich alles hier gesehen.

Und als ich dann unten ankam, zog der Rauch wie eine Wand zurück über das Tal. Ich hatte so ein Schweineglück! Nachdem der Bus mich wieder zurück zum Auto gebracht hatte, duschte ich noch auf dem riesigen Campingplatz und  machte mich noch am selben Tag zurück nach San Francisco. Eine kühlere Nacht in der Nähe des Pazifiks war Anreiz genug, bis in die Nacht zu fahren. Ich würde die Sierra Nevada mit ihren Naturphänomen vermissen, das war klar, doch wie heißt es so schön? The Show must go on!

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