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Waterton Nationalpark – so wie einst im Jahr 1993

Waterton Nationalpark – so wie einst im Jahr 1993

Nachdem ich mich also von Calgary verabschiedet hatte fuhr ich die 250 Kilometer zur Grenze der USA, an der der Waterton Nationalpark liegt. Dank des Tipps meiner Eltern hatte ich diesen Nationalpark mit auf meiner to-do Liste. Am ersten Tag kam ich Mittags dort an und erkundigte mich erstmal im Visitor Center über Backcountry Permits. Derzeit wurden keine vergeben, wegen der hohen Waldbrandgefahr. Ok, dann halt eintägige Wanderungen. Für den Nachmittag suchte ich mir eine gemütlichere Wanderung hinauf zum Bertha Lake heraus, der idyllisch zwischen den massiven Felswänden der Rockies liegt.

Endlich wieder vereint: Ich und die Rockies, das passt einfach zusammen!

Auf der Wanderung traf ich noch Liam, den ich an den Halfway Hotsprings einen Monat vorher kennen gelernt hatte. Mann, ist diese Welt doch klein. Abendessen kochte ich dann an einem Picknicktisch mit tollem Blick auf den Waterton Lake und las anschließend noch ein paar Seiten in meinem Buch. Den vierten Harry Potter hatte ich mittlerweile am Start. Für den nächsten Tag hatte ich eine ganz besondere Wanderung bevorstehend. Ich wollte den Carthew-Alderson Trail vom Cameron Lake zurück zur Waterton Townsite laufen. Was daran besonders war? Nun ja, fragt mal meine Eltern, die sind exakt den selben Trail im Jahr 1993 gelaufen. 24 Jahre vor mir! In erdgeschichtlicher Dimension nicht wirklich lang, weshalb ich mal vermute, dass der Trail damals wie heute so wunderschön war und ist. Leider war ich am kompletten Vormittag nicht wirklich mit gutem Wetter gesegnet und sah nur einen Teil meiner Umgebung, da das meiste in tief hängenden Wolken verdeckt war.

Unterhalb der Wolken ließ sich erahnen in welch schöner Umgebung ich unterwegs war.

Kurz vor Mittag erreichte ich die Carthew Ridge von der aus es dann wieder begann abwärts zu gehen. Und endlich klarte der Himmel auf. Optimal um am oberen Carthew Lake eine Pause zu machen und mein Mittagessen auszupacken. Es war noch nicht wirklich spät und ich ließ mir Zeit, denn ich hatte für den Abend sowieso nichts Besonderes vor. Es war ein wunderschöner Ort; der See, die roten Felswände und vereinzelte Schneefelder in meinem Blickfeld.

Der obere Carthew Lake. Wirklich besonders durch die roten Felsen.

Nachdem ich den Ausblick lang genug genossen und genug Sonne getankt hatte, machte ich mich also wieder auf den Weg vorbei am unteren Carthew Lake über die nächste Ridge, von der aus ich dann den Alderson Lake sehen konnte. Und der war mal wieder ein Naturphänomen der Extraklasse. Egal welchen Blauton man zusammen mischt, in Kanada gibts bestimmt schon einen See mit genau dieser Farbe.

Kanadas Seen werden einfach nie langweilig. Und solch eine Farbe habe ich auch noch nicht wirklich gesehen.

Wie alle Seen war es auch bei diesem der Fall, dass die spektakuläre Farbe eigentlich nur von oben herab sichtbar war und als ich dann am Ufer war wurde durch das reflektierte Licht in den Wellen der Farbton überdeckt. Trotzdem war auch vom Ufer die Kulisse einfach atemberaubend.

Blick vom ufer auf den Alderson Lake.

Auch hier ließ ich mir nochmal Zeit, bevor ich die letzte Etappe in angriff nahm. Die zog sich wirklich. Ich war wohl echt aus der Übung gekommen in den zwei Wochen auf dem Flachland. Nun ja, wird wohl ein Muskelkater am nächsten Tag. Am Abend dann wieder schönes Picknick am Waterton Lake und bei Einbruch der Dunkelheit noch ein paar spektakuläre Fotos von den Cameron Falls gemacht, das wars für den Tag. Am letzten Tag im Park entspannte ich dann nur noch am Crandell Lake, der in weniger als 30 Minuten zu Fuß erreichbar war. Erstaunlicherweise war es gar nicht so überfüllt, wie ich es an einem Sonntag erwartet hätte. Sehr gut! Sonnenbrille drauf und an den Strand chillen, ein bisschen lesen und die Natur genießen. Das Leben kann so einfach sein. War es zumindest bis dahin….

Entspannung mit gar nicht mal so üblem Blick. Der Crandell Lake lud zum relaxen und lesen ein.

Am Nachmittag packte ich nämlich meine Sachen und machte mich auf den Weg zur Grenze nach Montana. Am nächsten Tag wollte ich schon wieder im Glacier Nationalpark wandern gehen. Doch dann vermiesten die Border Officer mir den Tag. Ich bekam kein zweites Visum. Panik! Ich wollte doch meine Familie und Freundin in vier Wochen in den Staaten treffen. Früher als mir lieb war kehrte ich also noch am selben Abend zurück nach Calgary und stellte mich auf ein Paar anstrengende Tage beim Konsulat der USA ein. Es kann ja nicht immer alles auf Anhieb klappen. Aber bleiben wir mal optimistisch und sehen weiter… Bis demnächst!

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