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Mount St. Helens – Wandern durch das Blumenmeer

Mount St. Helens – Wandern durch das Blumenmeer

Nachdem ich Seattle am frühen Nachmittag verlassen hatte, um Richtung Mount St. Helens aufzubrechen, stand ich erstmal im Stau. Abartig lang. Und die Sonne brannte mal wieder runter wie sau. Nach zwei Stunden wurde mir langsam schlecht und ich hatte keine Geduld mehr, fuhr ab, gönnte mir ein Mc Sundae bei Mc Donald’s und kochte in einem Park um die Ecke mein Abendessen. War es das wirklich wert, 200 Kilometer zu fahren, um so einen dämlichen Vulkan ohne Spitze zu sehen. Nun ja, ich konnte es ja noch nicht wissen, aber das war es definitiv. Später fuhr ich dann noch weiter und stellte mich an einen verwahrlosten Viewpoint kurz vor dem Eingang zum National Monument Park zum schlafen hin. Ich ging früh ins Bett und stellte meinen Wecker auf 6:00 Uhr. Dann wäre wenigstens nicht so viel los, es war ja schließlich Wochenende. Um 6:00 klingelte der Wecker, ich schaute raus, alles grau. Gleich nochmal ne Stunde pennen. 7:00 Uhr nächster Wecker, immer noch alles grau. Verdammt, das Wetter wird mir doch nicht den Tag vermiesen. Ich machte also mein Frühstück, kam so langsam in die Gänge und fuhr kurz darauf los Richtung Johnson Ride Observatorium, dem Start meines geplanten Hikes. Es ging hinauf und hinauf und dann, auf einmal, brach die Sonne durch die Nebelwand. Ich fuhr über die Wolken hinweg, direkt auf den Mount St. Helens zu. Sehr cool.

Wenige sekunden, nachdem ich das Foto schoss, verschwand der Berg wieder in den Wolken.

Als ich am Observatorium ankam, bot sich mir ein Blick, den ich so schnell nicht vergessen werde. Hoch erhob sich der Berg, zwischen ihm und mir ein Wolkenmeer. Ich brauchte fast 30 Minuten um wirklich meine Wanderung zu starten, weil ich kaum die Augen von dem Spektakel abwenden konnte.

Einfach fantastisch, dieser Ausblick. Ich war sprachlos.

Doch so langsam lösten sich auch die Wolken auf, die mir anfangs noch ab und an etwas Schatten und angenehm feuchte Luft bescherten. Doch ohne die Wolken wurde etwas anderes sichtbar, etwas, dass ich niemals so schön erwartet hätte. Blumen. Ganz viele Blumen. Wie Teppiche waren ganze  Hänge von einer Blume schöner als die Andere bedeckt. Und das in der sonst eher kargen Vulkanlandschaft.

Einzig die Baumstämme zeugen noch von der Vegetation vor dem Ausbruch des Mount St. Helens im Jahr 1980. Doch die Natur findet ihren Weg zurück in die Vulkanlandschaft.

Es fühlte sich wahrhaftig an als würde man durch ein Aquarellgemälde gehen. Hier ein Tüpfelchen, da ein Tüpfelchen ach und wieso nicht gleich überall schöne, bunte Tüpfelchen? Grandios. Mein Tagesziel, die Harry’s Ridge, erreichte ich nach gerade mal eineinhalb Stunden. Es war zehn Uhr morgens, viel zu früh, um schon wieder zurück zum Auto zu gehen. Von der Ridge hatte ich bereits einen super Blick auf den Mount St. Helens, sein Umland und den Spirit Lake.

Links der Spirit Lake und vor mir das weite Tal, dass am Morgen noch von Wolken bedeckt war.

Doch irgendwie wäre es doch geil noch etwas näher an den Vulkan zu gelangen. Ich erinnerte mich, auf der Wanderkarte am Eingang einen Trail zu Wasserfällen gesehen zu haben, die direkt aus dem halb offenen Krater herauskamen. Den Abzweig hatte ich auch passiert. Ich konnte sie sogar aus der Ferne an dem Berg ausmachen. Also nichts wie hin. Einfach mal spontan noch ein neues Ziel setzen. Dass dabei mal wieder ein übermäßig langer, anstrengender Hike rauskommt war ja dann doch abzusehen. Letztendlich über 29 Kilometer and diesem Tag. Wahrscheinlich ein neuer Rekord für eine Tagesdistanz. Die Wanderung für den nächsten Tag konnte ich getrost vergessen. Doch die 29 Kilometer an diesem Tag waren jeden Meter wert.

Kein Problem oder? 29 Kilometer kann man bei solch einer Umgebung auf jeden Fall zurücklegen!

Ich schritt also langsam hinab in die große Senke, die sich vor dem Vulkan erstreckte. Einige Bäche durchzogen diese, jedoch alle mit einem großen Schritt passierbar. Ansonsten war es nahezu staubtrocken. Abgesehen von den Blüten natürlich, die auf jeder noch so spärlichen Wiese gediehen. Langsam näherte ich mich dem Vulkan.

Dank Stativ gibt’s immer wieder Bilder mit mir darauf. Dies zeigt glaube ich sehr gut, wie riesig dort alles war.

Es zog sich natürlich wieder, von oben hatte das Tal mal wieder kleiner ausgesehen, als es tatsächlich war. Doch nach einigen weiteren Stunden des stetigen durch die Sonne Marschierens war ich dann auch am Fuße des Wasserfalls angelangt. Schon etwas gruselig, so nah an der Magmakammer unter dem Berg zu sein.

Ich hatte es mal wieder geschafft. Ich war direkt unterhalb des Kraters, aus dem das Schmelzwasser über diesen Wasserfall abfloss.

Ich verbrachte dort ein Weilchen, aß mein Mittagessen und lernte zudem noch ein paar nette junge Leute aus Portland kennen. Schon wieder echt ein gelungener Tag. Auch wenn sich der Rückweg dann wieder zog und ich am Ende kaum noch gehen konnte. Die einzigartige, noch so junge Landschaft, machte alle Mühen wieder wett.

Der Blick von unterhalb des Kraters in die weite, trockene Landschaft.

Mit super Erinnerungen, Fotos und einem Muskelkater für den nächsten Tag im Gepäck machte ich mich wieder auf den Weg, weiter durch den wunderschönen Washington State. Nächster Stopp: Mount Rainier!

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