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Wanderung zum Mount Assiniboine – Das Kanadische Matterhorn

Wanderung zum Mount Assiniboine – Das Kanadische Matterhorn

Die gemeinsame Zeit mit meinem Travelbuddy Moritz neigte sich leider langsam dem Ende entgegen und es war nochmal an der Zeit einen großen Abschlusshike zu unternehmen. Wer sich jetzt fragt, wie ich so schnell von Alaska in die Rockies gekommen bin… nun ja, wir haben viel Zeit im Auto verbracht. Natürlich haben wir auf dem Weg noch einiges erlebt, aber den Alaska Highway möchte ich bei Gelegenheit nochmal ausführlicher beschreiben, bleibt also gespannt. Wir waren also wieder in den Rockies, genauer gesagt im Banff Nationalpark, einem der meistbesuchten Nationalparks der Welt und kamen gerade aus dem wilden, einsamen Norden. Schwer, sich an all den Trubel um einen herum so zu gewöhnen. Umso besser, dass wir durch eine mehrtägige Wanderung den Tagestouristen entfliehen konnten. Wir suchten uns eine Wanderung am untersten Ende des Nationalparks aus, die genauer gesagt außerhalb startete und in den Park hineinführte. Start war im Spray Lakes Provincial Park, dann ging es Weiter in den Banff Nationalpark und von da aus weiter in den Mount Assiniboine Provincial Park. Alles zu Fuß! Das waren mal wieder mehr als 50 Kilometer, die wir in den drei Tagen zurücklegten.

Am ersten Tag nahmen wir uns die Strecke vom Shark Mountain Trailhead zum Marvel Lake Campground vor. 13 Kilometer, die wir unsere schwere Ausrüstung tragen mussten. Allerdings war der Weg wirklich wunderschön, was das schwere Gepäck zur Nebensache werden ließ. Vorbei and kristallklaren Gebirgsbächen führte der Weg immer weiter in das Bryan Creek Tal hinein.

Eigentlich wurde es nie langweilig, denn ständig bekam man Blicke wie diesen zu Gesicht.

Stets gesäumt von den riesigen Felsmassiven der Rockies. Der Campground lag dann im Wald am Fuß eines Schotterhügels. Leider lag er nicht, wie der Name vermuten ließ, direkt am Marvel Lake, sondern 1,5 Kilometer dahinter im Wald. Da wir die Strecke zum Campground relativ schnell zurück gelegt hatten, gingen wir am selben Tag noch zum Ufer und betrachteten die grandiose Kulisse.

Wie fast jeder See hier in den Rockies erstrahlt auch der Marvel Lake in einem wunderschönen blau.

Der See, die Gipfel, der Gletscher im Hintergrund und die unendlich vielen Nadelbäume an den Hängen. Einfach Klasse! Später fanden wir noch heraus, dass von dem Hügel hinter dem Campground auch ein Blick auf das Tal möglich war. Gute Sache, mussten wir nicht immer bis zum Ufer des Sees marschieren.

Am nächsten Tag war dann die riesige Rundtour vom Campground über den Assiniboine Pass zum Magog Lake am Fuß des Mount Assiniboine und von da aus über den Wonder Pass zurück zum Marvel Lake geplant. Fast 30 Kilometer. Zwar hatten wir nur mehr wenig Gepäck bei uns, jedoch würden so manche Hindernisse auf uns warten. Der Weg zum ersten Pass war wieder relativ einfach zu bewältigen. Die Sonne schien manchmal fast etwas zu warm, aber nach der ganzen Kälte im Norden war uns das grade recht. Als vom Assiniboine Pass der Mount Assiniboine zum ersten Mal sichtbar war, änderte sich das Wetter und es wurde windiger und bedeckter. Schnell eine Jacke übergezogen und weiter gings. Schnell erreichten wir die Lodge, die nur zu Fuß oder mit dem Helikopter erreichbar war, passierten diese und waren da! Der Magog Lake direkt zu unseren Füßen und dahinter der mächtige Mount Assiniboine! Das Kanadische Matterhorn! Atemberaubend!

Was für ein tolles Gefühl, direkt am Ufer unterhalb des Mount Assiniboine zu stehen.

Wir hatten wirklich Glück, dass die Wolken hoch genug vorüberzogen, sodass der Gipfel sichtbar war. Keine Selbstverständlichkeit, da durch die Höhe von Über 3700 Metern um den Berg meist durch die thermischen Winde dichte Wolken entstehen und diese den Gipfel häufig verdecken. Ich machte bestimmt 100 Bilder von ein und dem selben Berg, doch es war einfach so wunderschön.

Nachdem wir dort Mittag gegessen hatten, mussten wir uns entscheiden, ob wir den selben Weg zurück nehmen, oder ob wir über den höheren Wonder Pass gehen sollten. Dieser war laut Mitarbeitern der Lodge in diesem Jahr noch von keinem ohne Schneeschuhe passiert worden und jeder wartete nur darauf, dass jemand anderes den ersten Schritt machte. Genau was für uns. Schnee, Kälte und Nässe waren wir ja von unseren vorherigen Abenteuern gewohnt. Also machten wir uns auf in Richtung Wonder Pass.

Wieder hoch in den Schnee! Auf dem weg zum Wonder Pass blieb die Natur einfach super.

Und der hatte es echt in sich. Es war zwar nicht steil, jedoch waren wirklich noch enorme Schneemassen vorhanden. Bis zur Hüfte sanken wir teilweise von Schritt zu Schritt ein, wo genau der Trail verlief wussten wir nach wenigen Metern im Schneefeld nicht mehr. Doch wir liefen beständig weiter und schafften es tatsächlich auf den Pass. Belohnt wurden wir mit einem wunderschönen Blick über die Umgebung.

Der Ausblick war es schon wert durch den Schnee hinauf zu stapfen.

Blöd war nur, dass der Schnee auf der anderen Seite erstmal nicht weniger wurde. Also ging es weiter, nochmal 45 Minuten durch den Tiefschnee, bis wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Diese waren natürlich mittlerweile komplett nass. War trotzdem irgendwie geil. Wäre ja langweilig, wenn wir unseren Alaska Trip ohne Schnee beenden würden.

Der letzte schnee, durch den wir uns durchkämpfen mussten. Danach gings wieder ins Tal.

Die eigentlich Belohnung für den Pass war dann der Blick in das Tal. Oberhalb das Marvel Lakes, vom Ufer aus nicht Sichtbar, liegt noch der Gloria Lake, der in dem wohl unnatürlichsten blau, welches ich je gesehen hatte erstrahlte. Leider schien er nur zu Teilen durch den dichten Wald und wir rannten kreuz und quer um einen guten Blick zu ergattern. Gabs leider nicht. Auch in Ordnung, wenn manche Schätze dieser Welt vor dem Menschen geschützt bleiben. Ich bin wirklich gespannt, ob ich auf meiner weiteren Reise nochmal einen See mit so einem türkisfarbenen blau sehen werde.

Man könnte fast denken, dass jemand mit der Chemiekeule den See verseucht hat. War er aber nicht, rein durch Gletscherschmelzwasser verfärbt er sich so wunderschön.

Zurück ging es dann entlang des Marvel Lakes. Wir waren bereits wieder weit über 20 Kilometer gelaufen und die Beine waren schwer wie Blei. Die Schuhe fühlten sich an wie Betonklötze and den Füßen und wir waren nur noch froh, als wir endlich am Campground ankamen und unser Abendessen zubereiten konnten. Was für ein Tag! So viele unvergessliche Momente.

Nur noch einmal am Marvel Lake entlang, dann hatten wir es endlich zurück geschafft.

In der Nacht zum dritten Tag regnete es dann auch noch und wir mussten unser Zelt am Morgen nass einpacken. Blöd, noch etwas mehr Gewicht. Aber das Essen war ja fast weg, glich sich also gut aus. Das Wetter spielte an diesem Tag noch ein bisschen verrückt und so kam es, dass wir im einen Moment in strahlendem Sonnenschein und im nächsten durch herabfallende Schneeflocken liefen. Wie auch immer, uns konnte jetzt wirklich gar nichts mehr etwas anhaben. Wir hatten mal wieder eine super Zeit in der Natur erlebt und hatten es erfolgreich geschafft den ganzen Touristen zu entkommen, um die Rockies in ihrer vollen Pracht zu erleben.

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1 Kommentar

  1. Oda
    Mittwoch, der 28. Juni 2017 / 22:49

    Lieber Moritz, ich wünsche Dir, dass Du Dir auch über all die folgenden Wochen Deine unerschöpfliche Begeisterung erhalten kannst. Ganz viele liebe Grüße von Oda und Hubert

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