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Der Weg zur Glacier Bay – Die Inside Passage

Der Weg zur Glacier Bay – Die Inside Passage

Dieser und die nächsten zwei Beiträge berichten von der wohl schönsten Reise, die ich je angetreten bin. Wer sonst nur über die Texte scrollt und sich die Bilder ansieht, dem möchte ich das nicht verübeln, jedoch ist dies ein Aufruf dazu, hier eine Ausnahme zu machen und diesen und die folgenden Beiträge zu lesen. Meine Emotionen über die Ereignisse auf diesem Trip in Worte zu fassen war nicht leicht, aber dennoch versuche ich so gut es geht euch diese zu vermitteln.

Beginnen wir am 5. Juni 2017. Moritz und ich waren in Skagway, nur noch einen Tag davon entfernt uns für eine Woche zu trennen. Ich hatte mir die Glacier Bay zum Ziel gesetzt, einen Ort, der weit abgelegen von jeglicher Straßenanbindung eines der eindrucksvollsten Schutzgebiete Nordamerikas darstellt. Die letzten Vorbereitungen für den Trip liefen. Ich kaufte Tickets für den Alaska Marine Highway und packte meine Sachen. Später besuchten wir noch die öffentliche Bibliothek um dort nochmal das WLAN zu nutzen. Ich sah natürlich erstmal nach, wie das Wetter werden sollte. Regen! Und zwar wirklich nichts außer Regen. Der Ausflug würde einer der teuersten werden, den ich mir je geleistet habe und die Zweifel in mir wuchsen und wuchsen. Kriege ich das Zelt alleine aufgebaut? Wo übernachte ich bei dem Stoppover in Juneau? Ist es das ganze bei schlechtem Wetter wirklich wert? Ich schlief die Nacht nicht wirklich gut. Ich dachte ständig daran mein Ticket zurückzugeben und das ganze einfach zu lassen. Doch da war eine Sache die mich quasi dazu verpflichtete die Mühe auf mich zu nehmen und den Trip zu wagen. Ein Buch! Es dürfte genau ein Jahr her gewesen sein, dass ich das Buch „die Spur des blauen Bären“ von Lynn Schooler von meinen Eltern bekommen hatte. Das Buch erzählt die bewegende Geschichte eines Kapitäns aus Juneau, der mit seinem kleinen Boot Touristen und Fotografen durch die Inside Passage fährt und dabei einen japanischen Fotographen kennen lernt, der später einmal sein bester Freund werden würde. Beide verfolgten das Ziel einen Gletscherbären, also einen Braunbär mit durch einen Gendefekt silbergrauen, bläulich schimmernden Fell, zu fotografieren. Das Buch beschreibt deren mehrjährige Suche in dem Gebiet, welchem ich nun so nahe war. Ich musste es einfach erleben. Es führte kein Weg daran vorbei!

Am Abreisetag herrschte ein sonnig, warmes Wetter, der Wind wehte sanft vom Meer. Alle Sorgen schienen wie verflogen zu sein, als ich das Schiff voll beladen mit Campingausrüstung und Vorräten für sieben Tage betrat.

Vorräte für sieben Tage und die komplette Campingausrüstung! Da ist man schnell voll bepackt.

Ich suchte mir einen Platz an einem der großen Fenster und machte es mir gemütlich. Die erste Stunde fuhren wir durch ein steil herabfallendes Tal, dessen Hänge Wasserfälle hinunter ins Meer stürzten, bis wir in Haines ankamen, dem ersten Stopp auf dem Alaska Marine Highway.

Steile Felswände und Wasserfälle prägen den weg von Skagway nach Haines.

Von dort aus ging es weiter Richtung Juneau, der Hauptstadt Alaskas. Bereits zu diesem Zeitpunkt waren jegliche Zweifel verschwunden und die atemberaubende Natur hatte mich in ihren Bann gezogen. Karge Felswände, schneebedeckte Gipfel, Gletscher…, nichts was ich nicht schon auf meiner Reise gesehen hätte. Aber da war der entscheidende Unterschied, dass diese Berge direkt aus dem Meer emporstiegen und ich darauf unterwegs war. Unfassbar schön.

Ein paar Impressionen aus der Inside Passage. Hier ein riesiger Gletscher, der sich fast bis an das Meer hinunterzieht.
Steile Felsen ragten direkt aus dem Meer empor.
Hier und da ein kleines Zeichen von Zivilisation, ansonsten herrscht hier Wildnis.

Am Abend gegen 22:00 Uhr Alaska-Zeit erreichte ich Juneau, ohne zu wissen wo ich eigentlich übernachten würde. Die nächste Fähre würde am nächsten Morgen um 7:00 abfahren, ich musste also um 6:00 dort sein. Ich ging zum Terminal und fragte freundlich, wie lange sie auf hatten. Bis 23:00 Uhr. Half mir nicht wirklich weiter. Jedoch meinte der Mitarbeiter ich könne einfach unter dem Vordach warten und übernachten, das würden da ständig welche machen. Also schlief ich die Nacht unter einem Picknicktisch unter dem Vordach des Ferry-Terminals.

Selfie am wohl primitivsten Schlafplatz meiner Reise.

Was man nicht alles erlebt um günstig davon zu kommen. Am nächsten Morgen stieg ich also wieder auf das Schiff (es war das selbe wie am Vortag) und war froh, dass es eine Dusche darauf gab, die ich nutzen konnte. Außerdem gab es kostenlos heißes Wasser, mit dem ich mir meine Haferflocken zubereiten konnte. Und kostenlos Marmelade. Jackpot! Frisch und satt ging die Reise weiter, der nächste Stopp wäre dann endlich Gustavus, mein Zielhafen. Auf dem Weg dorthin blieb die Landschaft weiterhin grandios und ich klebte am Fenster wie eine Mücke. Immer wieder sah ich Auffälligkeiten auf der Wasseroberfläche und stürmte auf Deck um ja keine Wale zu verpassen. Hätten das nicht die anderen Touristen an Bord auch getan wäre ich mir wohl ziemlich dämlich vorgekommen. Die Zeit verging und ich blieb erfolglos. Doch als das Boot auf die Icy Strait einbog änderte sich das. Eine Durchsage wies uns darauf hin, dass von der Brücke Wale gesichtet wurden. Also rannte ich mitsamt allen anderen Touristen erneut auf Deck und sah zum ersten Mal Buckelwale in der Wildnis! Zwar nur weit entfernt, aber ich konnte deutlich deren Heckflossen erkennen.

Weit entfernt, aber dennoch klar erkennbar! Buckelwale in der Icy Strait.

Ich war glücklich! Wieder ein Tier, das ich in meiner Wildlife-Liste abhaken konnte. Gegen Mittag erreichte ich dann Gustavus, von wo aus es nur noch 15 Kilometer mit dem Auto zur Lodge und dem kostenlosen Campground an der Bartlett Cove waren. Ich fragte einfach dreist den Busfahrer der Lodge, ob er mich mitnehmen könne und sparte mir dadurch 15 Dollar. Dort angekommen ging ich zum Visitor Center, registrierte mich mal wieder für den Campground und stellte mein Zelt auf. Der Campground war wirklich wunderschön, direkt im Wald hinter dem Meeresarm, der den Eingang zur Glacier Bay darstellte.

Echt gemütlich. Mein Heim für die nächsten fünf Nächte.

Ich hatte es fast geschafft, ich war fast am Ziel! Mich trennten nur noch eine Reservierung für das Tourboot und eine Rechnung von 225 Dollar davon. Also ging ich zur Lodge, reservierte, bezahlte und freute mich auf den nächsten Tag. Der Wetterbericht hatte sich zum Glück von viel Regen auf wenig Regen verbessert, was mich optimistisch stimmte, dass das ganze doch ein erfolgreiches Unternehmen werden könnte. Da ich noch etwas Zeit hatte informierte ich mich über die Angebote des Visitor Centers und begab mich, nachdem ich im Sturm am Strand mein halbwarmes Essen gegessen hatte (man durfte nur in der Gezeitenzone essen und kochen, damit alle Reste von der Flut weggespült werden und keine Bären anlocken), zur Lodge um einen der Abendvorträge der Ranger anzuhören.

Kochen am Stand im wind. Nicht die einfachste Angelegenheit. Was man nicht alles zum Schutz vor Bären macht.

Ich stieg die Treppen zum Hörsaal hinauf, war etwas zu früh dort und sah mich noch etwas in der Ausstellung davor um. Und da war es! Das Buch! „The blue bear“! Von Lynn Schooler! Ich dachte schon es wäre alles ein Traum, denn ich hatte mich auf der Fähre mit einigen Leuten aus Juneau und Umgebung unterhalten, doch keiner kannte das Buch. Es war kein Traum! Hier war das Buch und morgen würde ich Teile des Inhaltes selber erleben! Möge der Traum Wirklichkeit werden!

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