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Moskau: innen Hui, außen Pfui!

Moskau: innen Hui, außen Pfui!

Diesen Titel für den letzten Russland-Post kann ich wohl verwenden, da ich aufgrund toller Couchsurfing-Erfahrungen beide Teile der Stadt Moskau erlebt habe, sowohl die wunderschöne Innenstadt, als auch die unendlichen Plattenbausiedlungen am Stadtrand. Aber beginnen wir wie üblich am Anfang:

Wir sind also nach unserer 56-stündigen Zugfahrt um ein Uhr Nachts in Moskau angekommen und fanden uns gleich mal in einer schwierigen Situation wieder. Wo war unser Hostel? Wir hatten extra eines nahe am Bahnhof gebucht, allerdings war außen am Haus nirgendwo erkenntlich, wo der Eingang sei. Wir suchten tatsächlich solange, dass wir schon überlegten in einem Innenhof ein Zelt aufzustellen und darin zu übernachten, da wir echt müde waren. Glücklicherweise ist genau um diese Uhrzeit ein Gast des Hostels auf die Straße zum Rauchen gekommen und konnte uns letztendlich in die als Hostel umfunktionierte Wohnung bringen. Immerhin waren da alle chillig, weshalb wir erst bis 13:00 Uhr auschecken mussten und endlich mal wieder in einem richtigen Bett eine Mütze voll Schlaf abbekamen. Die Stimmung von diesem Ereignis zunächst etwas getrübt konnte es die nächsten Tage nur bergauf gehen. Am darauffolgenden Tag besichtigten wir zunächst typisch für Touristen den Roten Platz, allerdings brachte uns das schlechte Wetter schnell unter die Erde. Wortwörtlich, denn die Moskauer U-Bahn ist es wirklich wert, einfach durch die Gegend zu fahren und die wunderschönen Stationen anzusehen.

Eine der zahlreichen, prunkvollen U-Bahnstationen in Moskau.

Da wir lange geschlafen hatten ging der Tag relativ schnell vorbei. Am späten Nachmittag trennte sich unsere Dreiergruppe, denn Steph wohnte weiterhin in einem Hostel, Phia und ich dagegen hatten zuvor über Couchsurfing eine Schlafgelegenheit gefunden. Also trafen wir uns mit Anna, einer Studentin in unserem Alter und fuhren zu der Wohnung, in der sie mit ihrer Familie wohnte. Wie die meisten Einwohner Moskaus wohnte auch Anna eher außerhalb des Zentrums in einer der unzähligen Plattenbausiedlungen. Diese waren nun wirklich nicht wunderschön, erfüllten aber ihren Zweck, da Moskau eine rasant wachsende Stadt ist.

Der Blick aus dem Fenster unserer Unterkunft in Moskau.

Wenn man einfach das Äußere der Häuser nicht so ernst nimmt, und sich seine Wohnung gemütlich einrichtet, kann es auch da lebenswert sein. Einzig der Kontrast zwischen der Innenstadt, die doch sehr dem prunkvollen Stil Europäischer Städte glich und den teils heruntergekommenen Vororten schien schon sehr krass zu sein. Wir übernachteten also die erste Nacht bei Anna, die für die Tage sturmfrei hatte und uns somit eine Couch zum schlafen anbieten konnte. Am nächsten Tag machten wir uns wieder auf in die Stadt.

Da Phia eine Freundin in der nähe von Moskau kannte, trafen wir uns an diesem Tag mit dieser. Zuerst liefen wir nochmal über den Roten Platz, denn dort war der Treffpunkt ausgemacht und an diesem Tag war uns das Wetter etwas wohlgesonnener.

Darf wohl nach einem Aufenthalt in Moskau nicht fehlen: Ein Bild der Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz.

Anschließend musste Anna zwischendurch zur Uni. Für uns spielte sich wieder der Vorteil aus, Locals zu kennen, denn wir besichtigten nach Mittag einen wunderschönen Park etwas außerhalb des Zentrums, in dem ein Nachbau einer traditionellen Russischen Festung aus Holz gebaut worden war.

Nachbau eines Russischen Forts aus Holz, mitten im Park Kolomenskoye.

Außerdem war besonders an dem Park, dass riesige öffentliche Apfelbaumplantagen darin angelegt worden waren, an denen jeder sich bedienen durfte. Einziges problem dabei war jedoch, dass dadurch natürlich fast alle Äpfel abgeerntet waren. Die Tragödie der Allgemeingüter in Moskau, Geographie vom feinsten. Der Spaziergang durch den Park Kolomenskoje war wirklich ein Highlight in Moskau, denn neben der Festung und den Apfelbäumen waren zahlreiche Kunstwerke, Kapellen und Kirchen über die Fläche des Parks verteilt.

Die wohl eindrucksvollste Kathedrale im Park Kolomenskoye.

Erst am späten Nachmittag trafen wir uns wieder mit Anna. Eine tolle Überraschung erwartete uns an diesem Abend noch. Wir fuhren mit der U-Bahn zur staatlichen Universität von Moskau, einem wirklich beeindruckenden Gebäude, welches bei Nacht komplett beleuchtet wurde.

Eine der sieben Universitäten Moskaus bei Nacht.

Von da aus weiter kamen wir zu einem Abhang, von dem aus man einen Blick über die riesige Stadt hatte. Atemberaubend! Und schön um ein paar Nachtaufnahmen zu machen.

Blick auf den Central Business District der Stadt.

An unserem letzten Tag in Moskau hatten wir uns überlegt, als Gegenleistung für die Unterkunft Frühstück vorzubereiten. Was hätte es da besseres gegeben als einen Kaiserschmarren zuzubereiten. Zum Glück war Phia da etwas geschickter in der Küche, denn ich hatte zuvor selbst noch keinen gekocht. Auf jeden Fall war das Ergebnis echt lecker und unser Auftrag, etwas von der deutschen Kultur nach Moskau zu bringen damit wohl auch erledigt. Für mich hieß es an diesem Tag schon Abschied zu nehmen, da ich am nächsten Tag früh fliegen würde, und mich deshalb in einem Hostel nahe des Bahnhofs einquartierte, in dem auch Steff die Tage über wohnte. Eindeutiger Nachteil von einer Riesenstadt wie Moskau, dass ewige Fahrtzeiten an der Tagesordnung stehen. Doch ganz war ich ja noch nicht abgereist. Den letzten Tag beschlossen Phia, Steff und ich ganz tourimäßig den Kreml von innen zu besichtigen. Also gönnten wir uns zum Abschluss noch die Tickets für den Eintritt. Aber Hoppla, wo waren wir denn da gelandet. Umgeben von tausenden von Chinesen bahnten wir uns den Weg auf den Innenhof. Generell konnte ich feststellen, dass Moskau ein wirklich beliebtes Reiseziel der Chinesen sein musste, denn es verging kaum ein Augenblick, in dem man nicht in die Kameralinse eines sich dahinter versteckenden Chinesen blickte. Aber zurück zum Kreml. An sich waren da schon wirklich schöne, beeindruckende Bauten drinnen, allerdings hatte man doch die meisten von außerhalb auch schon sehen können.

Innenhof des Kremls: Eindrucksvolle Bauten, die man jedoch auch meist von Außerhalb schon hätte sehen können.

Da wir den Eintritt gezahlt hatten, verbrachten wir noch ein bisschen Zeit im kleinen Park des Hofes und beäugten Touristen beim Selfies machen. Am Abend trafen wir noch einmal Anna, um auf ein paar Bierchen wegzugehen. Wir fanden eine kleine Kneipe nahe des Bahnhofs, an dem ich am nächsten morgen in aller Herrgottsfrüh abfahren musste. Dementsprechend waren wir auch an diesem Abend nicht mehr allzu lang unterwegs, sondern gingen eher etwas früher ins Bett.

Um viertel vor 5 Klingelte dann also mein Wecker und ich machte mich auf den Weg zum Bahnhof. U-Bahnen fuhren noch keine, also musste ich eine Station laufen. Einer der denkwürdigsten Märsche, die ich je unternommen hatte. So fühlte es sich zumindest an, so halbschlafend durch die wie leergefegten Straßen Moskaus zu ziehen. Ich machte mir nichtmal die Mühe auf dem Gehsteig zu gehen, so wenig war los. Stattdessen streifte ich durch die Häuserschluchten Richtung Bahnhof, die aufgehende Sonne von Zeit zu Zeit in meine Augen fallend, und war glücklich darüber, was ich die letzten zwei Wochen alles erleben durfte und dass alles so reibungslos geklappt hatte. Bye Bye Russland, wir werden uns bestimmt wiedersehen.

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4 Kommentare

  1. Strasser
    Montag, der 6. Februar 2017 / 19:46

    Moritz ein toller Eintrag Moskau ist eine beeindruckende Stadt! Danke

  2. Heike
    Dienstag, der 7. Februar 2017 / 15:30

    Mann, Mo. Wie gerne würde man da auch einmal durch die leeren Straßenschluchten Moskaus wandern. Ich wünsche Dir noch ganz viele beeindruckende Reisen und weiterhin die Begegnung mit wunderbaren Menschen!
    Heike

  3. Oda
    Mittwoch, der 8. Februar 2017 / 10:41

    Danke für deine interessanten Ausführungen. Was ich noch gerne wüsste: Wie sind die Menschen? Wie reagieren sie auf Touristen? Ist man als Tourist erkennbar? Wie war es in der U-Bahn, der Kneipe? Kommt man in Kontakt?u.ä.
    Ich wünsche Dir noch viele interessante Reisen und Begegnungen. LG Oda

    • Mittwoch, der 8. Februar 2017 / 14:06

      Fragen über Fragen! Ich hab den Beitrag eher kurz gehalten, obwohl ich soviel erlebt habe, da er sonst zu lang geworden wäre. Natürlich kann ich ein bisschen erläutern wie man dort als Tourist so angekommen ist. Im Prinzip war man an den touristischen Orten auch als Tourist erkennbar, außerdem hatte ja auch ich oft eine Kamera vor dem Auge. Da auch Moskau eine Weltmetropole ist, sind Touristen dort nichts besonderes und die Reaktion der Menschen dort war ganz normal. Lustig war oft, dass die U-Bahnen eher niedrig sind und ich meistens nicht so ganz reinpasste, was natürlich auch die Menschen dort oft zum Grinsen brachte. Prinzipiell haben wir allerdings auch nicht so viel Kontakt gesucht, da wir ja sowohl über das Couchsurfing, als auch die Freundin meiner Mitstudentin Menschen von dort kennen gelernt haben.

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