Sprache:

Auf den Spuren der Transsibirischen Eisenbahn

Auf den Spuren der Transsibirischen Eisenbahn

Zeit sich mal wieder zu melden! Ich habe vor kurzem meine Bachelorarbeit abgegeben und werde hoffentlich bald mein Studium abschließen, um dann als nächstes großes Projekt Kanada zu erkunden. Doch bevor ich dahin aufbreche, gibt es noch einige Sachen über meinen Aufenthalt in Russland zu berichten. Neben der Exkursion in das Altaigebirge habe ich dort nämlich noch eine weitere Woche verbracht, in der ich durchaus noch interessante Erlebnisse hatte. Auch wenn die wenigsten davon auf der Reise von Barnaul nach Moskau geschahen, will ich dennoch einen kurzen Artikel darüber schreiben, denn in Russland zu reisen ist schon etwas Besonderes.

Die Reise von Barnaul sollte uns 56 Stunden lang beschäftigen. Wir fuhren also am Abend in Barnaul los und hatten zunächst einige Stunden vor uns, bis wir in Novosibirsk drei Stunden Aufenthalt haben würden. Schon auf dieser kurzen Strecke ernteten wir immer wieder interessierte Blicke, da es durchaus unüblich ist, dass Ausländer mitten in Russland den normalen Personenzug nutzen. Ohne Verständigungsmöglichkeiten waren wir also auf ein freundliches Erwidern dieser Blicke beschränkt. Die erste Zugstrecke stellte sich als noch sehr angenehm und entspannt heraus. Erst später wurde es allmählich anstrengend. Wir erreichten also mitten in der Nacht Novosibirsk und warteten dort auf unseren Anschlusszug. Dieser würde uns nun 48 Stunden lang bis nach Moskau transportieren. Während dieser 48 Stunden passierte ehrlich gesagt kaum Nennenswertes. Vor Antritt der Reise waren wir noch deutlich aufgeregter, da wir hofften, schöne Landschaften zu durchqueren und viele Impressionen Russlands zu sammeln. Doch es stellte sich heraus, dass nichts davon auf der gesamten Reise zu sehen war. Als hätte man mit dem Lineal eine Linie durch Russland gezogen, fuhren wir nur geradeaus und weit und breit waren durchgehend nur Wälder, Felder und Weiden zu sehen. Vertreter der Theorie, dass die Erde eine Scheibe ist, hätten hier bestimmt gute Chancen gehabt, Menschen davon zu überzeugen, denn es scheinte wirklich so, als würde es in alle Richtungen unendlich so weitergehen. Statt durch abwechslungsreiche Landschaften zu fahren, blieb das Bild tatsächlich auf der gesamten Fahrt dasselbe. Wenigstens waren ab und an Pausen von circa 45 Minuten in den größeren Städten vorgesehen, was uns die Möglichkeit gab, dort die Bahnhöfe zu sehen und Vorräte zu kaufen. Eine angenehme Abwechslung zu der monotonen Fahrt.

Bahnhofshalle von Jekaterinburg.

Im Zug war die Situation wirklich einschläfernd. Weiterhin waren wir die einzigen Ausländer und hatten keine Möglichkeit, mit den anderen Passagieren zu kommunizieren. Oft wünschten wir, es wäre anders. Denn wie diese Leute dort im Zug unterwegs waren, glich nicht unbedingt dem deutschen Fernverkehr. Durch die Weite Russlands und das vergleichsweise niedrige Einkommen waren die Menschen dort auch nur selten auf Reisen, sei es um ihre Familien zu besuchen oder gar um umzuziehen. Ja genau, mit dem Zug! Zumindest kam es uns so vor, denn eine Vielzahl der Gäste hatte Unmengen an Gepäck dabei und so kam es, dass wir zwischenzeitlich in einem offenen Abteil für 4 Personen mit einem großen Flachbildfernseher, einer riesigen Milchkanne, unzähligen Taschen und Koffern und natürlich uns selbst Platz finden mussten. Selbstverständlich hatten wir aufgrund fehlender Mittel der Kommunikation bei der Buchung nur die oberen Betten bekommen, was das Ganze noch einmal komplizierter machte, da ab und zu im unteren Teil gar kein Platz zum Sitzen war und wir gezwungenermaßen auch tagsüber in unseren Betten bleiben mussten.

Stopp irgendwo in Russland. Rechts ist der Zug zu sehen, mit dem wir gefahren sind.

Ehrlich gesagt war ich froh, als wir endlich um zwei Uhr nachts in Moskau ankamen und die Reise damit zu Ende war, denn das war wirklich anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Allerdings bin ich auch froh, diese Erfahrung gemacht zu haben, denn selbst mit wenig Komfort habe ich viele neue Facetten Russlands entdeckt.

Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.