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Die Stadt Barnaul

Die Stadt Barnaul

Am zehnten Tag endete unsere Exkursion in den Russischen Altai. Zehnter Tag? Da fehlt doch jetzt einer? Ja stimmt, allerdings waren die letzten zwei Tage vom Inhalt her kaum noch relevant, da wir die meiste Zeit im Auto verbrachten, es draußen regnete und außer Bäumen eh kaum etwas anderes zu sehen war. Lediglich eine Sägemühle hatten wir noch besucht, wo wir dem Besitzer einige Fragen über die Holzwirtschaft im Altai stellen konnten.

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In den unendlichen Wäldern Russlands bietet sich Holzwirtschaft am ehesten an. Schutzvorkehrungen waren in dieser Sägemühle aber nicht wirklich vorzufinden.

Ein Highlight am Abend des neunten Tages war sicherlich noch einmal das gemeinsame Kochen, welches wir diesmal statt den Guides übernahmen. Quasi als Geschenk für die tolle Exkursion kochten wir zuerst Chili Con Carne und im Anschluss noch Kaiserschmarren für die Fahrer. Kultureller Austausch, oder so in der Art. Auf jeden Fall hat es den Herrschaften geschmeckt, was uns natürlich freute. Auch Wodka wurde an diesem Abend nicht zu wenig konsumiert, da der nächste Tag sowieso nur im Auto verbracht wurde. Am Morgen des zehnten Tages machten wir uns also auf den Weg zurück nach Barnaul, komischerweise fuhren aber diesmal wir mit unserem Auto vorweg, obwohl wir die ganze Exkursion eigentlich hinterher gefahren waren. Warum ich das erzähle? Nun, der Grund ließ uns ehrlich gesagt etwas schmunzeln, denn Waldemar erläuterte, dass er der einzige gewesen sei, der am Vorabend nichts getrunken hatte und demnach auch nicht nach Alkohol stank, was bei einer möglichen Polizeikontrolle wohl durchaus von Vorteil wäre. „Russland“, dachte ich mir und beschäftigte mich auf der Fahrt mit einem Nickerchen und dem Anfertigen des ersten Blog-Eintrags, der nun ja schon über einen Monat zurückliegt. Um die Mittagszeit machten wir kurzen Halt in Bijsk, einer kleineren Stadt zwischen dem Altaigebirge und Barnaul. Einige schöne, ältere Gebäude ließen sich ausmachen, ansonsten war diese Stadt wie Barnaul überwiegend mit Plattenbauten zugepflastert.

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Einige etwas traditionellere Gebäude sind im Zentrum von Bijsk immer noch zu finden.

Ein letztes Mal rollte der Konvoi an und legte die letzten Kilometer bis Barnaul zurück. Wir checkten im Hotel direkt in der Stadtmitte ein und hatten uns jetzt von der Fahrergruppe zu verabschieden. Obwohl wir nur knapp zehn Tage miteinander unterwegs waren, hatten wir uns doch ziemlich gut verstanden. Den Kontakt zu diesen Menschen zu haben ist mir sehr wichtig, denn die Region Altai, als auch die Mongolei oder der Baikalsee sind alles Ziele, die die Guides für Touristen ansteuern und welche ich auch gerne in Zukunft sehen würde. Wer weiß, vielleicht treffe ich ja Mal den einen oder anderen wieder. Für unsere Studentengruppe war am Abend noch ein gemeinsames Essen in einem Restaurant geplant. Dort wurde uns doch noch einmal klar, dass die Unterhaltskosten dort in der Provinz doch ziemlich niedrig sein mussten. Für umgerechnet zehn Euro gönnte ich mir eine Maß (es gab tatsächlich einen Maßkrug!), eine Pilzsuppe als Vorspeise, Rinderzungenfilets als Hauptgang und noch extra dazu gebratene Kartoffeln. Schon auch mal nicht schlecht, wieder etwas nicht aus dem Eintopf zu essen, wobei ich das doch gerne noch etwas länger ertragen hätte, wenn ich dafür weiterhin im Altai unterwegs hätte sein können. Aber die Exkursion war jetzt vorbei. Endgültig. Als wir am nächsten Tag aufwachten, waren die meisten der Gruppe schon im Flugzeug. Mein weiterer Reiseplan war, mit dem Zug nach Moskau zu fahren und dort noch die Stadt zu besichtigen. Der Zug würde am frühen Abend losfahren, wodurch ich und die wenigen, die noch dort waren, zusammen die Stadt erkunden konnten. Mein Urteil über die Stadt, welches ich im ersten Beitrag beschrieben habe, muss ich zum Teil wieder revidieren. An sich gab es doch einige ganz nette Orte in der Stadt und im Sonnenlicht wirkte alles viel freundlicher, als damals im morgendlichen Nebel. Wir liefen also einmal komplett die Lenin-Straße entlang, den Prachtboulevard, der in keiner russischen sozialistischen Stadt fehlen durfte.

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Ein Ausschnitt des Lenin-Boulevards, der von prunkvollen Gebäuden und zahlreichen Statuen gesäumt ist.

Am Ende konnten wir noch den Hafen am Fluss Ob besichtigen und einen Abstecher auf einen Aussichtsberg machen, der den Blick auf die gesamte Stadt ermöglichte. Anschließend begaben wir uns zurück ins Zentrum und aßen noch einmal im gleichen Restaurant wie am Vortag.

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Blick über die 600.000-Einwohner-Metropole Barnaul.

Auch mit Christina, der Deutschstudentin aus Barnaul, die uns auf der Exkursion begleitet hatte, trafen wir uns dort. Dann war es so weit, dass wir zurück zum Hotel mussten. Freundlicherweise bot Christina  an, uns mit dem Auto zum Bahnhof zu fahren, wodurch wir uns 20 Minuten Fußweg sparten. Außerdem hatten wir einen weiteren Vorteil. Eigentlich hatten nur Sophia und ich den Zug nach Moskau zusammen gebucht. Steff, die zu dem Zeitpunkt auch noch in Barnaul war, hatte denselben Plan, allerdings hatte sie einen anderen Zug gebucht. Da wir nun aber eine Dolmetscherin hatten, schafften wir es tatsächlich letzten Endes zu dritt im selben Zug abzufahren. Der Zug rollte an und würde von nun an für die nächsten 56 Stunden unsere Unterkunft sein, abgesehen von einem Umstieg in Novosibirsk, aber dazu mehr im nächsten Beitrag. Ein letztes Mal rollten wir über den Ob, als die Sonne unterging, und fuhren in die Nacht.

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