Tag 8: Der Telezker See rund um das Dorf Yaylyu

Tag 8: Der Telezker See rund um das Dorf Yaylyu

Yaylyu, das ist wirklich ein schönes Plätzchen auf der Erde. Beim Durchlaufen des Ortes wirkt es tatsächlich manchmal, als wäre die Zeit stehen geblieben und hätte dabei das Idyll  in der Natur konserviert. Mit viel liebevoller Arbeit waren die einfachen Behausungen mit Blumengärten umgeben worden, die neben dem Grün und dem Blau der Natur so ziemlich jede Farbe ergänzten.

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Teile des Dorfes Yaylyu, das auf den Hügeln am Ende des Telezker Sees liegt.

Der Ort wurde uns von Evgenij, dem netten Russischen Park-Guide, gezeigt, der immer stolz mit seiner Kamera vor uns her lief, seinen Hund immer dicht auf seinen Versen. Evgenij war ein wirklich begeisterter Guide, der in seiner Rolle wirklich aufging. Man konnte ihm seinen Stolz und seine Freude über die Besuchergruppe auf Schritt und Tritt ansehen. Er sprach zwar kein Wort Englisch oder Deutsch, jedoch konnten Dima und Christina immer die wichtigsten Teile seiner Vorträge übersetzen. Somit gestaltete sich der Rundgang durch das Dorf und die umliegende Landschaft als sehr informativer Ausflug. Besonders spannend war es, eine russische Schutzhütte im Nachbau in einem winzig kleinen Museum in dem Ort zu besichtigen. Die Schutzhütten befanden sich normalerweise tief in den Wäldern des Parks und dienten den Park-Rangern als Unterschlupf, sollten sie mal mehrere Tage im Gelände unterwegs sein.

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Der Nachbau der Sturmhütte, wie sie sonst in den weiten russischen Wäldern zu finden ist.

Neben dem Museum gab es noch einige weitere Orte, die wir besichtigten. Etwas oberhalb des Dorfes lag auch hier eine der wenigen Klimastationen der Republik Altai. Spannender jedoch waren die Überreste einer uralten Dampfmaschine, wie sie früher in einem Boot auf dem See eingesetzt wurde, die nun an diesem Ort dem Rost zum Opfer fiel. Etwas hinter dem Ort stand auch eine kleine orthodoxe Kirche und dann stand da noch etwas. In einem mit einem Zaun abgesperrten Bereich präsentierte sich ein großes Solarkraftwerk, das den Ort mit Strom versorgte. Sehr innovativ für Russland, wo bisher sonst scheinbar kaum etwas von erneuerbaren Energien durchgesickert ist. Das Kraftwerk dort ist Teil eines Projektes, das in der Region Altai an mehreren Standorten den Ausbau regenerativer Energie vorantreiben soll, was mich doch ziemlich faszinierte, da diese Technologie zuerst ziemlich fehl am Platz wirkte, wenn man sich den einfachen Lebensstil der Bevölkerung in der Republik ansah. Prinzipiell aber eine sehr gute Idee, da es die weit abgelegenen Orte vom Hauptversorgungsnetz unabhängig macht. Und weit abgelegen waren wir wirklich, wie weit, das würde sich am nächsten Tag noch herausstellen, als wir den Ort wieder verließen. Doch zurück zu diesem Tag. In den umliegenden Wäldern wollte Evgenij uns noch den Stolz des Dorfes zeigen. Oder zumindest wirkte es so, als wäre es der Stolz des Dorfes. Auf großen Flächen waren dort Apfelbäume an die Hänge des Seeufers gepflanzt worden, die in dem Ort als Allgemeingut betrachtet wurden. Jeder konnte sich nach Belieben von den Plantagen versorgen, die zugleich auch von jedem versorgt und gepflegt wurden. Ein Gemeinschaftsprojekt quasi, von dem jeder profitierte. Selbst für uns Gäste waren noch Äpfel übrig, die Evgenij direkt vom Baum an uns verteilte. Eine wirklich freundliche Geste, wie ich fand, auch wenn die Äpfel irgendwie etwas sauer schmeckten. Von den Hügeln liefen wir anschließend wieder hinab Richtung Seeufer. Im Laufe des Vormittags hatte auch die Sonne es noch geschafft, sich durch die Wolken zu kämpfen, und so standen wir nun bei strahlend blauem Himmel am Ufer des Sees, welches, sobald man den Ort Yaylyu verließ, in unberührter Schönheit erneut eine unglaubliche Atmosphäre schaffte.

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Diesen Blick hätte ich gerne noch etwas länger genossen. Das Nordufer des Telezker Sees, der sich über 70 Kilometer in das Tal erstreckt.

Hier einfach eine Woche mit dem Zelt hinter dem Kiesstrand unter hoch gewachsenen Birken zu campen, das wärs gewesen! Aber leider war schon wieder Zeit fürs Mittagessen, und nachdem wir uns an der Umgebung satt gesehen hatten, marschierten wir wieder zurück zum Camp. Die Exkursion neigte sich dem Ende zu, weshalb für uns am Nachmittag nochmal das Zusammentragen aller Ergebnisse unserer Untersuchungen der letzten Tage auf dem Programm stand, bevor wir uns am Abend wieder gemeinsam am Feuer versammelten. Timo und ich nutzen die blaue Stunde nochmal für ein paar Fotos, mit denen wir uns ein Stück Erinnerung an diesen Ort festhielten.

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Abendstimmung am Ufer, auf dem wir unser Camp aufgebaut hatten.

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Regenschauer, der am Abend das restliche Sonnenlicht noch einmal auf die Wasseroberfläche reflektierte.

An diesem Abend war mir bereits etwas schwer ums Herz, denn gerne hätte ich noch viel mehr Zeit im Altai verbracht, jedoch warten in meinem Leben auch noch weitere Ziele auf mich, auf die ich mich gleichermaßen freue, wie ich das auf diese Reise getan habe.

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