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Tag 3: Die Fahrt in den Hohen Altai

Tag 3: Die Fahrt in den Hohen Altai

Am dritten Tag hieß es Abreise vom Jeloman. Früh morgens bauten wir unsere Zelte ab und verstauten das Gepäck wieder auf den Anhängern und der Ladefläche des Pickups. Zur Stärkung gab es Haferschleim zum Frühstück. Wir fuhren also das kleine Stück bis Inja, welches wir schon gesehen hatten, und von dort aus weiter flussaufwärts. Nach einer Weile hielten die Fahrer am Straßenrand an. Zuerst wussten wir nicht, ob wir aussteigen sollten, und blickten erstmal nur aus dem Fenster. Dabei erblickten wir ein Erdhörnchen, oder zumindest ein einem Erdhörnchen ähnliches Tier am Straßenrand.

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Ein erdhörnchen-ähnliches Tier, dass uns am Straßenrand misstrauisch beobachtete.

Waldemar, unser Fahrer, meinte nach einigen Sekunden nur „get out of the car“ und lächelte. Wir stiegen also aus und trafen auf die Insassen der anderen Autos, mit denen wir auf eine kleine Erhebung rechts der Straße stiegen. Wir waren an der Mündung der Chuya in den Katun angelangt. Uns bot sich nochmal ein eindrucksvolles Bild auf den Katun, den wir ab jetzt hinter uns lassen würden, um der Chuya weiterhin auf dem Chuya-Highway in Richtung Mongolei zu folgen.

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Die Mündung der Chuya in den Katun.

Die Erhebung über der Mündung war deutlich als ein für die Altaier heiliger Ort gekennzeichnet, was an den Unmengen an Stoffbändern, die an die Sträucher gebunden waren, erkennbar war. Das Volk der Altaier lebt häufig einen schamanischen Glauben, der einige Orte als heilig ansieht. Nach einer weiteren Weile Fahrt hielten wir erneut am Rand der Straße an, ohne zuerst ersichtlichen Grund. Wieder sammelte sich die Gruppe und lief über eine Wiese in Richtung eines länglich, aufrecht stehenden Steins. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass es sich um eine Stele mit einem eingemeißelten Gesicht am oberen Ende handelte. Ein weiterer Ort, der Teile der Geschichte der Besiedelung des Altais offenbarte. Doch die Steele war noch nicht alles. Ein bisschen die Felswand dahinter hinauf waren 3000 Jahre alte Felszeichnungen auszumachen. Abgebildet waren hauptsächlich Tiere, die wohl damals schon als Nahrungsquelle dienten. Ich fand wirklich beeindruckend, wie gut diese Zeichnungen noch erkennbar waren, aber auch, an welch unscheinbaren Ort diese gemalt wurden.

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Über 3000 Jahre alte Felszeichnungen.

Durch ein Referat, das Kevin, ein Mitstudent, anschließend hielt, erfuhr ich, dass die Region einst dicht besiedelt war und das das Volk der Skythen einst weit im Altai verbreitet gewesen ist. Dass die Skythen ein eher europäisch abstammendes Volk gewesen sind, hält die heutigen Altaier nicht davon ab, sie als ihre Vorfahren zu bezeichnen, obwohl die heutigen Einwohner überwiegend mongolische Wurzeln besitzen, was auch am asiatischen Aussehen der Einwohner erkennbar war. Nach diesem geschichtlichen Einschub machten wir uns wieder auf den Weg nach Aktash, einer der größeren Orte am Chuya-Highway. Dort angekommen mussten unsere Autos neu betankt, und anschließend neue Vorräte gekauft werden. Mittagessen sollte es kurz darauf am Straßenrand geben, so wurde es uns gesagt, allerdings dauerte das doch etwas länger als wir erwarteten. In Russland ist es aber üblich erst gegen 14:00 Mittag zu essen, da normalerweise das Frühstück ziemlich deftig serviert wird. „Haferschleim…sehr deftig“, dachte ich mir, hatte aber zum Glück im Supermarkt zwei der typisch russischen Teigtaschen gekauft, die ich im Auto gegen den Hunger essen konnte. Dafür dass unser nächstes Camp in der Nähe eines Gletschers liegen sollte hatten wir bis dahin ziemlich wenig bis gar keine Anzeichen von Schnee gesehen. Doch dann kam die eine Kurve aus einem Tal heraus, die vor uns die nördliche Chuya-Kette offenbarte. Der Anblick war atemberaubend. Denn die Gipfel, die vor uns erschienen waren mit über 3000 Metern noch dick unter Schnee und Eismassen bedeckt. Nahezu perfekt waren die Berggipfel in einer Reihe angeordnet, die der vorgelagerten Kurai-Steppe eine Szenerie bescherten, die reif für ein Bilderbuch war.

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Die nördliche Chuya-Kette in ihrer vollen Pracht, fotografiert aus der weiten Kurai-Steppe.

Ein Stückchen folgten wir dem Chuya-Highway noch bis Kurai, ab wo sich der Konvoi in die trockene Steppe auf buckelige Staubpisten begab. Über eine einfache Holzbrücke überquerten wir die Chuya erneut und fuhren über die weite Steppe direkt auf die südliche Chuya-Kette zu. Das Ganze hatte nun wirklich einen Abenteuercharakter gewonnen, da nun auch der Sinn und Zweck der geländetauglichen Ausstattung unserer Autos zum tragen kam. An einer Überquerung einer kleinen Sumpfsenke half nichtmal mehr der Vierradantrieb der Autos, und zwei davon fuhren sich im Sumpf fest.

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Da hat es der Pickup nicht durch dei Pfütze geschafft.

Glücklicherweise konnten die zwei anderen Wägen mithilfe von Abschleppseilen die stecken gebliebenen Fahrzeuge wieder startklar auf die andere Seite ziehen. Jetzt war endlich zeit für Mittagessen, natürlich diesmal nur Brotzeit, denn zum kochen war unterwegs keine Zeit. Eine Stunde bis zum Basiscamp unserer Gletscherwanderung war noch zurückzulegen. Die ohnehin schon buckelige Piste wurde zunehmend schlechter, irgendwann war sie nur noch mit einem breiteren, unpräparierten Wanderweg zu vergleichen. Kein Problem für die Autos, die die Besatzung ordentlich durchschüttelten. Am späten Nachmittag erreichten wir das Camp, richteten uns ein und bereiteten das Abendessen vor. Wir waren mittlerweile auf 1700 Metern Höhe angelangt. Uns stand also eine kalte Nacht bevor. Deftiger Eintopf mit Hühnchenkeulen stellte eine gute Basis dafür dar. Später machten Timo und ich uns mit allem Kameramaterial, das wir dabei hatten auf, um den grandiosen Sternenhimmel einzufangen. Für mich erfolgte an diesem Abend Ernüchterung.

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Atemberaubender Sternenhimmel und die untergehende Milchstraße über dem Aktru-Gletscher. Fotografiert von Timo.

Hatte ich doch gerade erst meine neue Panasonic Lumix G6 gekauft, dachte ich natürlich blauäugig, dass ich damit für alles gerüstet sei.  Leider stellte sich heraus, dass die Kombination meines nicht so sehr lichtstarken Objektivs und eines nicht groß genugen Kamerasensors das Einfangen der Sterne nicht in dem Maße ermöglicht, wie das Timos Fujifilm-Kamera konnte. Ich hatte mich zuvor schon riesig auf das Aufnehmen gefreut und war nun erstmal dementsprechend enttäuscht. Aber im Grunde genommen habe ich ja dank Timo trotzdem den Beweis, welch wunderbares Naturphänomen wir dort erleben konnten. Über meine Kameramethoden und das Material plane ich, irgendwann auch mal einen Post in der Kategorie Tipps und Tricks für euch bereitzustellen, hoffentlich mit einigen guten Ratschlägen von Timo. Einen Hoffnungsschimmer hatte der Abend trotzdem noch für mich. Meine GoPro hatte mir an anderen Orten schon einmal ganz ansehnliche Ergebnisse von Night-Timelapses erstellt, was ich auch hier versuchen wollte. Ich hatte die kleine Action-Kamera zuvor auf meine Powerbank montiert, damit sie möglichst lange Aufnahmen erstellen würde. Doch irgendwie war an diesem Abend der Wurm drinnen. Erst hatte sich der Akku der GoPro über die Zeit von selbst entladen, dann spinnte auch noch die Powerbank aufgrund der Kälte, und auch ich hatte das Zittern langsam satt. Schlussendlich nahm ich all mein Equipment wieder mit in mein Zelt, verstaute die GoPro wieder in ihrem Schutzcase und kroch in meinen Schlafsack. Am nächsten Tag stand eine große Wanderung bevor, es war es also nicht mehr wert noch viel Zeit und Energie in das Projekt zu stecken. Dass ich damit genau die richtige Entscheidung getroffen habe, könnt ihr bald in meinem nächsten Post nachlesen.

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1 Kommentar

  1. Mittwoch, der 5. April 2017 / 13:00

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