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Exkursion ins Altai-Gebirge

Exkursion ins Altai-Gebirge

Von nun an möchte ich mich der Exkursion ins Altaigebirge widmen. Da die Exkursion vom Studium aus durchgeführt wurde, war der Zeitplan dementsprechend straff. Weil ich in diesen zehn Tagen so unglaublich viel erlebt habe, teile ich die Reise in einzelne Reisetage auf, die ich nach und nach mit euch teilen möchte. Stellt euch also darauf ein, in nächster Zeit öfter etwas von mir zu hören, denn eines kann ich versprechen: Auf dieser Reise habe ich einige der schönsten Orte dieses Planeten besucht, die ich euch nur allzu gerne näher bringen möchte.

Starten wir also am Anfang. Am 22.08.2016 traf ich mich mit Sophia am Flughafen in München. Wir hatten die Flüge zusammen gebucht, doch auch einige weitere Mitstudenten sind mit uns ins selbe Flugzeug nach Moskau gestiegen. Pünktlich um 12:00 Mittag hob unsere Maschine ab. Ein bisschen unangenehm hat es sich schon angefühlt, in ein Land zu reisen, dessen Sprache genauso kompliziert ist wie deren Schrift. Schlichtweg unverständlich auf den ersten Blick. Aber wir werden uns schon irgendwie zurechtfinden. In Moskau angekommen schlossen wir uns Lukas, Timo und Gabriel an, die genauso sechs Stunden zu überbrücken hatten. Die Zeit verbrachten wir außerhalb des Flughafens, der meiner Meinung nach wirklich nicht zu denen gehört, an denen man gerne umsteigt. Überfüllt und dementsprechend stickig waren die Aufenthaltsräume. Auf unseren Anschlussflug nach Barnaul sind wir im letzten Moment noch an Bord gegangen und flogen in die Nacht. Auf Flügen kann ich standardmäßig kaum schlafen, wenngleich ich mich trotzdem zu ein paar Stunden dösen zwang, um am nächsten Tag fit zu sein. Mit Sonnenaufgang nach circa zwei Stunden Flugzeit war ich wieder hellwach. Ich klebte wie gebannt an der Fensterscheibe meines Sitzes, denn das was sich unter uns befand, hatte ich noch nie gesehen. Wir waren im Anflug auf Barnaul, unserem Zielort, und überflogen die weite Kulunda Steppe. Mir bot sich ein Bild das den Eindruck einer Oberfläche eines anderen Planeten offenbarte. Magisch und unwirklich erstreckte sich das Land bis zum Horizont, Tiefnebelschwaden zogen langsam darüber hinweg. Unterbrochen wurde die kontinuierliche Oberfläche von zahlreichen Seen und Flusssystemen, deren Oberfläche durch die tief stehende Sonne golden glänzte. Je näher wir unserem Zielflughafen kamen, desto anthropogener entwickelte sich die Landschaft. Erst vereinzelt, dann immer dichter wurde die ackerbauliche Nutzung sichtbar, bis hin zu einer Bewirtschaftung der gesamten Oberfläche soweit das Auge reichte. Immer tiefer fliegend erschien schlussendlich Barnaul aus den Wolken, mit seinen hohen Fabrikschornsteinen, die schwarze Rußwolken gen Himmel pusteten, und etlichen sowjetischen Wohnblocks. Im morgendlichen Grau bestätigte der Blick genau die Vorstellung die ich von einer russischen Industriestadt hatte. Bei 10 °C lag die Temperatur an diesem Morgen in Barnaul. Ziemlich kalt für einen Sommerurlaub dachte ich mir, nahm meine Sachen und verließ den Flieger. Im kleinen Ankunftsterminal nahmen wir unser Gepäck und trafen vor dem kleinen Flughafengebäude den Rest der Gruppe. Gemeinsam liefen wir zu den Autos, die für die nächsten zehn Tage unser Haupttransportmittel sein würden. Drei Mitsubishi Busse und ein Mitsubishi Pickup, allesamt für schwierigste Geländebedingungen gerüstet, ausgestattet mit zwei weiteren Anhängern, auf denen wir unsere Rucksäcke verstauten. Auch die Fahrer erwarteten uns dort, das Expeditionsteam war also komplett. Der Konvoi setze sich in Bewegung Richtung Barnaul und von dort aus zu unserem Ziel, dem Altaigebirge. Die Fahrt durch Barnaul löste in mir Faszination und Grauen zugleich aus. Grau und für meine Begriffe hässlich erhoben sich die Wohnblocks in einer zugeteerten Stadtlandschaft, die rein gar keine Anzeichen von attraktivem Lebensraum zeigte. Vereinzelt ein paar modernere Gebäude, die dem Stadtbild aber nur wenig Glanz verliehen. Dementsprechend froh war ich, als wir wenig später über den Fluss Ob fuhren und die Stadt hinter uns ließen. Wir fuhren den ganzen Tag durch die unendliche Steppe, bis sich endlich am Nachmittag die Vorläufer des Altais um uns erhoben. Bis dahin hatten wir die meiste Zeit geschlafen, denn die Müdigkeit, die durch die Zeitverschiebung, die anstrengende Reise und die monotone Landschaft hervorgerufen wurde, gewann zumeist  die Überhand. Nun waren wir also da, die Grenze zwischen Region Altai und Republik Altai hatten wir gerade passiert und nun folgten wir dem Katun entlang hinauf ins Gebirge.

Fahrt mit dem Auto in das Gebirge.

Die Natur hat mich gleich von Anfang an in ihren Bann gezogen. Das hellblaue Gletscherwasser des Katuns, der sich durch die trockenen Berge schlängelt, weite Steppenlandschaften in den Tälern, schroffe Felswände und Lärchenwälder an den nach Norden exponierten Hängen bestimmten das Landschaftsbild, dazwischen schlängelte sich nur noch die Straße die Berge hinauf Richtung Mongolei. Hier und da fuhren wir durch kleine Siedlungen mit einfachen Behausungen und Gärten zur Selbstversorgung. Pferde, Kühe und Schafe grasten auf den weiten Weideflächen in den Tälern.

Pferde beim Grasen in den weiten Steppenlandschaften.

Die Vorfreude auf die Erlebnisse der nächsten Tage wuchs in mir heran und versetze mich in einen euphorischen Zustand, stellte ich mir doch vor, so weit in den eurasischen Kontinent vorgedrungen zu sein. Erst am Abend erreichten wir unser erstes Camp an der Mündung des Jeloman in den Katun. Die Kälte des Gebirges legte sich langsam über das Tal, nachdem die Sonne hinter den umliegenden Gipfeln verschwand. Wir hatten unsere Zelte in einem kleinen Birkenhain am Ufer des Jelomans aufgestellt, unsere warme Kleidung angezogen und saßen nun gemeinsam am Feuer, jeder mit einer Schüssel Nudeln und einer Tasse Tee versorgt.

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Blick von unserem Camp auf den Jeloman.

An diesem Abend gewann jeder erste Eindrücke über die Reisegruppe, die Fahrer, die Guides und das raue Klima im Gebirge. Von der Kälte und der Müdigkeit getrieben verschwanden wir nach und nach in unseren Zelten. Unter den Abermillionen Sternen am Firmament endete der erste Tag im russischen Altaigebirge.

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